Vorlesen

Ich habe höflich angefragt, ob er damit einverstanden sei, dass ich diese emails veröffentliche. Er empfand schon allein diese Frage als ‘Unverschämtheit’. Weil es eine ‘private Konversation’ sei, ausserdem eine ‘eigene Werkschöpfung’ und letztlich wolle er nicht ‘bei mir genannt’ werden.

Also gut. Ich anonymisiere die emails, ich erkläre sie, da es um’s öffentliche Internet geht und ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit vorliegt, die darin angesprochene Problematik zur Kenntnis zu bekommen, zu gänzlich unprivaten und behaupte, dass es in diesen emails keine Aussagen gibt, durch deren Veröffentlichung die Persönlichkeitsrechte des Urhebers beeinträchtigt würden und dass (letztens) diese emails keine Qualitäten aufweisen, die den urheberrechtlichen Werkbegriff auch nur ansatzweise erfüllen könnten.

Vorgeschichte: ich habe auf meinem Materiallager (‘Ressourcen’) ein Feedaggregat benutzt, mit dem ich auch die Beiträge des betreffenden Kollegen eingebunden habe. Ohne zu fragen. Gut, das hätte ich tun können, aber bei keinem Aggregat, das ich in den letzten zwei Jahren eingerichtet habe, wurde mir diese lässliche Unterlassung von irgendeinem Eingebundenen je vorgeworfen. Und da auch klar ersichtlich war, dass es sich um ein Aggregat handelte (ich hab’s inzwischen komplett dicht gemacht, um diese Pöbeleien erst einmal sacken zu lassen und meine eigenen Fehler zu reflektieren), hätte auch kein Normalo auf die Idee kommen können, es handle sich um meine Federn (von denen ich genug habe + keine fremden benötige, um inhaltliche Blössen zu verdecken).
Und jetzt Brief 1:

Sehr geehrter Herr Ullrich,

wie ich Ihrem Impressum entnehmen konnte, sind Sie verantwortlich für die Inhalte unter http://filiale.freiheitsfabrik.de. Sie übernehmen per RSS-Feed die Inhalte meiner Internetpräsentation XXXXXXXXXX
Ich fordere Sie hiermit auf, diesen Contentdiebstahl unverzüglich zu unterlassen sowie die Inhalte unverzüglich zu entfernen. Meine Inhalte und die meines Co-Autors stehten unter unterschiedlichen Lizenzen, die von Ihnen nicht angegeben werden. Somit haben sie mit der jeder einzelnen Übernahme gegen diese verstoßen.

Ich gebe Ihnen hiermit Zeit, unsere Inhalte, bis Freitag, den 23. November, 12.00 Uhr zu entfernen, andernfalls werde ich mich um Rechtsbeistand bemühen und mein Anwalt wird mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Das wird dann pro Artikel/Contentübernehme eine ganz teure Angelegenheit.

Lassen sich mich auch darauf hinweisen, dass Ihre Übernahme gegen jegliches Zitatrecht verstößt:

 
*wollen*. Ich würde es auch eher ablehnen, bei Ihnen
genannt zu werden.
Und ich habe Sie auch nicht beschimpft – seien Sie einfach dankbar für
meine Mail und dass sie keine “offizielle” Post bekommen haben.

Meine Reaktion:

*kopfschüttel*

Also noch mal ganz klar: hier geht es nicht darum, dass irgend jemand von mir an meinem Ort nicht verfeedet werden will. Dieser Wunsch ist o.k. und in Minuten realisiert. Ohne Groll oder irgendwelche Aufgeregtheit. Aber dieser Ton! Und dabei sieht’s in der Selbstvorstellung des Bloggerkollegen auf seiner Internetpräsenz doch wirklich so aus, als sei er ein lockerer und feiner Typ. Tja, mal wieder so richtig voll krass geirrt …

LerntZ d’raus!