“Der Unterschied ist im wesentlichen, daß Ihr [Libertären] Euch vermutlich etwas länger wehren werdet, wenn ihr von jenen realexistierenden Schlagetots, über die ihr nicht nachdenken wollt, um Eure reinen Gedanken nicht zu beflecken, ausgerottet werdet. Und wer es als so einen Riesenvorteil gegenüber zu hohen Spitzensteuersätzen empfindet, wenn er erst als zweiter stirbt, der wird mit diesseitiger Logik eh kaum zu erreichen sein. Ich nehme das alles mal als intellektuelle Kapitulation vor einer zu komplexen und oft unerfreulichen Welt. Schwamm drüber.”
Das lasse ich mir nur von denjenigen sagen, die die ‘realexistierenden Schlagetots’ nicht auch noch ideologisch unterstützen: von staatsfernen Träumern, Weicheiern und Leistungsträgern. Nicht aber von denjenigen, die diese Schlagetots durch ihr kollektives Gedenke + Gekrieche erst herstellen, ermöglichen + ausrüsten.
Von Feuerwehrleuten lasse ich mir erklären, wie ein Brand zu löschen sei – nicht aber von Brandstiftern oder den Herstellern von Brandbeschleunigern.
KEIN Schwamm darüber!
Comment / 02-14-2008 / 22:05
Arrogant ist, wenn der Mitdiskutant mit der Prämisse in den Diskurs geht, dass alle seine intellektuellen Irrtümer zunächst einmal als richtig anzusehen seien und der (in diesem Falle libertäre) “Bittsteller” allein aus ästhetischen Gründen nicht richtig liegen kann.
Ich habe immerhin auch dazu gelernt:
Es geht Staazis nie darum, richtig und falsch auseinander zu halten, sondern einzig und allein “schmeckt mir” (also auch allen anderen), oder “schmeckt mir nicht” (gehört verboten) zu institutionalisieren. Oder noch besser: “wenn mir keiner die Wumme an den Schädel hält, mach ich Ruanda!”
Konsistenz im Denken nützt manch einem scheinbar nicht.
Pingback / 02-15-2008 / 14:30
[...] OK, kein Schwamm drüber! Nachdem sich unsere Libertären wieder in ihr intellektuelles Paralleluniversum zurückgezogen haben, um weiteren Störungen durch die schnöde Wirklichkeit aus dem Weg zu gehen, stellt sich die Frage, ob nichtstaatliche Problemlösungen damit zwingend völlig unbrauchbar sein müssen. Dem ist natürlich nicht so. Denn bei den angelsächsischen Kollegen gibt es durchaus ernsthafte Versuche, Probleme zu lösen, statt Problemlösungen schon deswegen abzulehnen, weil Lösungen für die reale Welt schon per se unter dem Verdacht des Kompromißlertums stehen. [...]
Comment / 02-15-2008 / 19:07
naja sagen wir so, paul konnte sich für euren standpunkt nicht wirklich öffnen, und hat das teilweise ziemlich unfreundlich und ignorant rübergebracht |
ihr habt auch ein öfters geflamed und habt ihn forgehalten was er alles so gutheist |
aber das nur so nabanbei
ich verstehe nicht warum ihr ihm seine frage nicht einfach klar beantwortet habt, in dem ihr sagt welche lösungen sich in einer libertären gesellschaft bilden könnten (das ihr das nicht erzwingen könnt sollte ihm eigentlich von anfang an klar gewesen sein) :
das bildung für jeden z.b. durch stiftungen zustande kommen kann, und das diese, im gegensatz zu staatsschulen, trotzdem in richtiger konkurrenz zueinander stehen und nach der unterrichtsqualität bezahlt werden können |
vielleicht auch das antiautoritäre pädagogik (montessuri und so) endlich wirklich eine chance hätte und die kiddies so besser auf die selbstständigkeit vorbereitet werden können als es bisher möglich war..
oder unabängige gesundheistgenossenschaften durchaus eine klare alternative darstellen kann |
und das es soetwas ähnliches durchaus schon gegeben hat
bei einem nichtlibertären/nichtanarchisten nützt es kaum einfach seine ideale hinwerfen |
man muss zeigen was und wie es sich besser entwickeln könnte wenn der staat einem nichtmehr auzf den füßen steht..
im großen und ganzen ist die ganze diskussion sehr unangenehm verlaufen..
Comment / 02-16-2008 / 19:01
Wie willst Du einem Utilitaristen beibringen, dass sein Utlitarismus tödlich ist?
Comment / 02-16-2008 / 19:30
@Gunkata
Utilitaristen müssten nur endlich die Finger von objektiven Wertlehren lassen. Oder anders: sie selber sind beweispflichtig, dass eine Erhöhung des Wohlstandes um 10% auch die Summe individueller GlüXXe um 10% erhöht (muss nicht so linear sein, aber zumindest gleichsinnig).
Dieser Beweis gelingt natürlich um so treffender, je ärmer die Referenzgruppe ist: wer fast verhungert, der wird eine 10%ige Erhöhung seiner Nahrungszufuhr sicher weit höher schätzen als ein bundesdeutscher Fernsehgucker, der 10% mehr Sender empfangen oder 10% mehr PommesSchranke dabei konsumieren kann.
Utilitaristen rechnen letztlich so wie Marxisten: mit fiktiven Grössen – also eigentlich gar nicht!
Comment / 02-19-2008 / 13:16
@ sofias
Keine Sorge, ich bin nicht so empfindlich und nehme das nicht persönlich. Umgekehrt meine ich es auch nicht so schlimm, wie es für einige vielleicht klingen mag. Ich handele nur leider oft nach der Maxime “besser einen echten Freund verloren als auf eine gute Pointe verzichtet”.
Ist aber in den seltensten Fällen wirklich bös gemeint.
Ansonsten stehe ich Ideen wie konkurrierenden Schulen oder Gesundheitsgenossenschaften absolut positiv gegenüber. Ich denke, das würde viele Probleme staatlicher Ineffizienz lösen. Bei den Umsetzungsalternativen zu staatlichem Handeln bin ich mir mit Anarchisten, Libertären etc. oft einig, nur halt nicht bei deren Finanzierung.
Comment / 02-19-2008 / 21:58
Ach je – ein Blogwar und *ich* hab’s verpasst: Paul XIII., der Schattenkrieger des IMPERIUMS, gegen die libertäre Puddingfront… das ist mir in drei Jahren nicht vorgekommen. Einfach keine Zeit wegen so profaner Dinge wie realer Verpflichtungen in der Realworld? Ich bin untröstlich!
P.S.: ich ziehe aber trotzdem Gewinn aus der Diskussion auf Paulchens aussenpolitischem Watchblog, die ich nachträglich nur überflogen habe – immerhin konnte ich den definitiv deppertsten und geschichtsblindesten Kommentar der letzten Zeit in meinem Langzeitgedächtnis speichern (der mit den “gleichen Farben schwarz-rot” der Anarchisten und der Falangisten im spanischen Bürgerkrieg).
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