Vorlesen

Nach vielen Jahren habe ich wieder ‘mal angefangen, Foucault zu lesen: ein wahres VergnĂŒgen. Insbesondere der Begriff ‘Biopolitik’ hat es mir angetan:

[...] hierunter verstand [es handelt sich bei dem zitierten Artikel um eine Zusammenfassung einer Vorlesung von 1978/79, Anm.d.Verf.] ich die Weise, in der man seit dem 18. Jahrhundert versuchte, die Probleme zu rationalisieren, die der Regierungspraxis durch die PhÀnomene gestellt wurden, die eine Gesamtheit von als Population konstituierten Lebewesen charakterisieren: Gesundheit, Hygiene, Geburtenziffer, Lebensdauer, Rassen [...] (Foucault: Analytik der Macht, stw 1759, S.180)

Dies erlĂ€uternd fĂŒhrt er aus:

Die Polizeiwissenschaft [im französischen Original auf Deutsch, Anm.d.Verf.], die im 18. Jahrhundert von den Deutschen entwickelt worden war, sei es nun, weil ihnen eine große staatiche Form fehlte, sei es auch, weil die Enge der territorialen Einteilung zu Einheiten fĂŒhrte. die mit den verfĂŒgbaren technischen und begrifflichen Instrumenten der Epoche sehr viel leichter zu beobachten waren, stellte sich stets unter das Prinzip: man schenkt nie genug Beachtung, es entgehen zu viele Dinge, allzu viele Bereiche entbehren der Regelung und Regulierung, die Ordnung und die Verwaltung sind fehlerhaft – kurz, es wird zu wenig regiert. Die Polizeiwissenschaft ist die Form, die eine vom Prinzip der StaatsrĂ€son beherrschte Regierungstechnologie angenommen hat: Es ist gewissermaßen “ganz natĂŒrlich”, dass sie sich den Problemen der Population zuwendet, die möglichst groß und möglichst aktiv sein soll – fĂŒr die StĂ€rke des Staates: Gesundheit, Geburtenziffer, Hygiene finden hier problemlos einen wichtigen Platz. (Foucault: Analytik der Macht, stw 1759, S.181)

In diesem spezifischen Sinne leben wir in einem Polizeistaat: nur verbirgt sich diese polizeiliche TĂ€tigkeit heute unter: Verbraucherschutz, Umweltschutz, Demografie, Generationengerechtigkeit etc.: the schupo sounds social …