Vorlesen

Welt: Der Arbeitstitel des neuen Romans lautet “Freedom”. Freiheit.
Franzen: Kein schönes Wort. […] Die ungeprüfte Freiheitsbegeisterung – und ihre konkreten Formen wie die Freiheit von Regulierung für das Bankwesen – ist ein Albtraum. […] Freiheit heißt nicht, kaufen, was man möchte und fahren, wohin man will. […] Tatsächlich hat wahre Freiheit mehr damit zu tun, was in einem vorgeht. Ich halte es für möglich, im Gefängnis frei zu sein.

(Jonathan Franzen in DIE WELT v. 4. 5. 2009, S. 23.)

Nein, diese “wahre Freiheit” ist kein schönes Wort. Die Leier von der “Freiheit des Christenmenschen”, die der ausgebeutete, geschundene Bauer haben kann und aufgrund derer er stillhalten soll, geduldig buckelnd geduckt unter der Knechtschaft der FĂĽrsten. Das ist Orwell’sches “Neusprech”. Ein widerlicher, schmieriger Angriff auf die Freiheit.