Welt: Der Arbeitstitel des neuen Romans lautet “Freedom”. Freiheit.
Franzen: Kein schönes Wort. […] Die ungeprüfte Freiheitsbegeisterung – und ihre konkreten Formen wie die Freiheit von Regulierung für das Bankwesen – ist ein Albtraum. […] Freiheit heißt nicht, kaufen, was man möchte und fahren, wohin man will. […] Tatsächlich hat wahre Freiheit mehr damit zu tun, was in einem vorgeht. Ich halte es für möglich, im Gefängnis frei zu sein.
(Jonathan Franzen in DIE WELT v. 4. 5. 2009, S. 23.)
Nein, diese “wahre Freiheit” ist kein schönes Wort. Die Leier von der “Freiheit des Christenmenschen”, die der ausgebeutete, geschundene Bauer haben kann und aufgrund derer er stillhalten soll, geduldig buckelnd geduckt unter der Knechtschaft der FĂĽrsten. Das ist Orwell’sches “Neusprech”. Ein widerlicher, schmieriger Angriff auf die Freiheit.
Comment / 05-05-2009 / 08:46
Tja, wer Freiheit so definiert, dass Menschen wenig darin vorkommen, aber eine “innere Geistwelt” eine groĂźe Rolle spielt, freut sich auch ĂĽber den Aufenthalt im Gulag.
Da fehlt dann nur noch das Reden über die bösen Zwänge (sic!) der Natur.
Pingback / 05-30-2009 / 15:53
[...] laufen und dabei darüber nachsinnen, wie leicht sich das Wort “Freiheit” doch so umdefinieren lässt, dass man es mit einem Gefängnis verwechselt. Das ist ja auch durchaus ein wichtiges Thema der Zeit, auch und gerade im gegenwärtig [...]
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