Vorlesen

Kaum der Verfolgung entronnen, schon selbst Verfolger. Ich bin entsetzt.
1. “[Bischof] Ambrosius [von Mailand] hielt im September 381 eine Synode in Aquileia ab, um den EInfluß der verbleibenden (vor allem illyrischen) homöischen* Bischöfe zu brechen und sie der staatlichen Strafverfolgung auszuliefern. Man muß diesen (offenbar erfolgreichen) Versuch der Krimininalisierung theologischer Gegner durch Ambrosius im Kontext seiner römischen Religiosität sehen; zwischen rechter Religion und Staatswohlfahrt bestand hier seit ältester Zeit ein enger Zusammenhang. Insofern konnte Abrosius auch die Versuche der paganen römischen Eliten, neben ihrem angestammten Kult Macht und Einfluss zu behalten, nicht ruhig hinnehmen. […] Selbstverständlich [sic!] konnte Ambrosius weder von seinen politischen und kirchenpolitischen noch von seinen theologischen Prämisssen her eine homöische Minderheits- und Sondergemeinde dulden.”
2. “Im syrischen Callinicum (dem heutigen Raqqa) brannten Christen im Dezember 388 eine Synagoge nieder, und Ambrosius verbat dem Kaider, den Christen den Wiederaufbau des Gotteshauses zu befehlen [also Wiedergutmachung zu leisten]. Obwohl Ambroisus die Tat durchaus als Verstoß gegen die Gesetze und als kirchlichen Übereifer einschätzte, war er doch zugleich überzeugt, daß Kulte, die er für häretisch hielt, nicht geduldet werden dürften. […] [Kaiser] Theodosius freilich änderte trotz der harschen bischöflichen Invektiven seine grundsätzliche Polititik nicht und verbot noch 393 die Zerstörung von Synagogen.”
Ambroisus von Mailand, De Fide | Über den Glauben, aus der Einleitung von Christoph Markschies, Turnhout 2005 (Fontes Christiani, dritte Folge, Band 47/1), S. 19ff.

Am meisten erschüttert mich der sich wissenschaftlich gebendende klammheimlich zustimmende Ton des Kommentars. Jeder, der an Jesus glaubt, und jeder, der humane Werte vertritt, muss es herausschreien: Dieser Ambrosius ist ein Widerling und sei er es vor gut 1600 Jahren gewesen, er bleibt es in Ewigkeit!
Und, ja: Es kann vorkommen, dass ein Kaiser rechtlicher denkt als einer seiner Untertanen.

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* Christliche Lehre, nach der der Sohn (Jesus) unter den Vater (Gott) geordnet wird.