Apologeten sind immer nervig. Aber sie reichern den Bestand an Dingen, die gesagt werden sollten, um Extreme verstehen zu können, bevor sie sich realisieren, ungemein an. Mediocres Geschleime verbirgt nur, was unter den Schleimspuren bereits schon west und geifernd nach Luft schnappt.
So lese ich Marinettis Futuristisches Manifest: schleimdurchstossend, richtungweisend, unverschämt. Und ich meine, man macht es sich zu einfach, wenn man nur kopfschüttelnd liest und das staatlich-faschistische Ende der Bewegung im Kopf hat: nicht weniges, was dort aktiv als Kampfesruf zur Zerstörung freigegeben wird, ist inzwischen passivistisch zerkrümelt und kulturindustriell begraben worden; und was gepriesen wird, hat in menschenfreundlicheren, rationaleren Umkleidungen bis heute – mythologisch zumindest – überlebt.
Für bemerkenswert halte ich es immerhin, dass dieser Text in der “wirtschaftsliberalen und gesellschaftskonservativen” Tageszeitung Le Figaro [wikipedia] veröffentlicht wurde – welche bundesdeutsche Gazette hätte diesen Mumm in heutigen Tagen? Wir sollten uns jedenfalls über die aktuelle mediale Freiheit – zumindest der klassischen Medien – keine Illusionen machen.
Stefan hat’s gelesen und ich klanglich ummantelt … schaurige Erkenntnis wünschend.
http://blog.freiheitsfabrik.de/futur_mul…
Comment / 11-09-2009 / 09:19
An der Koproduktion gefällt mir, dass der Klangmantel den Wortlaut des Manifesto erstickt
…
Ich lese, dass Marinetti es ‘voll mitreißender und zündender Heftigkeit in die Welt schleudern’ wollte; das ist ihm am anderen Ende gelungen: In China hat Mao nach eigenem Gusto (!) eine ‘Kulturrevolution’ daraus gemacht … und das ohne jeden abendländischen Verzug! Über die Effekte bis heute mag ich nicht reden. Wenn aber ‘Kunst nur Heftigkeit, Grausamkeit und Ungerechtigkeit sein kann’, dann war’s eine Kunst, die er vollbrachte.
Okay, schaurige Erkenntnis, wie gewünscht (-: …
Comment / 11-09-2009 / 10:54
Hmm, der Text wird nicht erstickt, sondern tobt – manchmal unhörbar, schwer verständlich oder aufdringlich laut – als Subtext unter dem schon längst Realisierten dieser Utopie. Die ‘Gesellschaft unter’m Bann’ zuckt noch …
zu Mao: der Verzug ist ihm nicht das Abendland gewesen, sondern die eigene uralte Kultur, die er brutalst ausgemerzt hat. Unverzüglich dennoch …
Comment / 11-10-2009 / 19:35
Der lodernde Wahndjinn, ganz grosses Kino!
Comment / 11-10-2009 / 22:44
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