Habe gerade auf PhoeNIXX von einem politiXX gehört, man sei nach dem Mauerfall schier grenzenlos
überrascht gewesen, dass die DDR pleite gewesen sei – schliesslich habe noch 1987 die OECD die DDR auf Platz 10 der wohlhabendsten Nationen in Europa gesetzt … UFF!
Wollte ich erst nicht glauben. Habe dann aber gegoogelt und diese Tatsache bestätigt gefunden:
Eine Statistik der OECD für das Jahr 1987, die das Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsländer pro Kopf der Bevölkerung in ECU (Vorläufer des Euro) auswies, hat das BIP der Bundesrepublik mit 16300 beziffert und das der DDR, je nach Umrechnungsmethode mit 7500 bis 8000 ECU. Es lag mit 46 Prozent bzw. 49 Prozent nicht weit entfernt von der bereits vorgestellten 1999 veröffentlichten Berechnung im Auftrage des Bundesministeriums des Innern. Nach der gleichen OECD-Rechnung betrug das Bruttosozialprodukt pro Einwohner in Frankreich 12100 ECU, in Großbritannien 9000 ECU. Hinter der DDR rangierten solche Länder wie Spanien mit 6000 ECU, Griechenland mit 3900 ECU und Portugal mit 3100 ECU.
Ein weiterer link hat noch Krasseres zu Tage gefördert:
Nicht nur die eigenen Bürger blieben über das Ausmaß des Verfalls im Unklaren. Auch der Westen hat die wirtschaftliche Kraft Ostdeutschlands bis zuletzt weit überschätzt. Besonders die Amerikaner haben die Produktivität der DDR viel zu hoch angesetzt. Noch im Jahr 1987 kam der Geheimdienst CIA in seinem „Factbook“
zu dem Schluss, dass das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der DDR 100 Dollar über dem in Westdeutschland liegt.
Wie der Westen zu einer solch groben Fehldiagnose kommen konnte, gehört zu den größten Rätseln dieser Zeit. So hat Brent Scowcroft, der Sicherheitsberater von Präsident George Bush während der Wende, einige Zeit später erzählt, von den vielen Überraschungen damals habe ihn eines besonders verwundert: wie schwach die Wirtschaft der DDR tatsächlich gewesen ist. Gleichermaßen hat ihn erschüttert, wie die amerikanischen Geheimdienste mit ihren Schätzungen so danebenliegen konnten. Sie hatten die DDR für einen Wirtschaftsgiganten gehalten, dabei war sie ein Gnom.
Wer nach solchen Pleiten einer scheinbar wissenschaftlichen Disziplin noch irgendetwas an veröffentlichten Zahlen glaubt, ist selber Schuld. Und dass selbst Geheimdienste so krud versagen, mag einen fast trösten …
Comment / 11-09-2009 / 18:44
Ich denke daß derartige Übertreibungen System haben. Auf der einen Seite hatten wir die Unterstützer der Kommunisten, die natürlich jede sich bietende Gelegenheit nutzten das DDR-System schönzurechnen. Gleichzeitig hatten wir auf der anderen Seite kalte Krieger die mit dem Verweis auf eine daniederliegende Wirtschaft im Ostblock kaum so freizügig die Auftragsbücher der Rüstungsindustrie auf Steuerzahlers Kosten hätten füllen dürfen.
Heute erleben wir doch Ähnliches. Glaubt man unseren Politikern und den Sympathisanten von AlQuaida – dann handelt es sich bei Letzteren um eine hervorragend ausgestattete und wohlorganisierte machtvolle global aufgestellte Organisation.
Ob dem so ist kann ich nicht beurteilen.
Aber es spricht doch Vieles dafür daß die Angriffe am 11.9. auf die USA lediglich ein Husarenstück waren. Um dies durchzuführen bedurfte es nur einer innovativen Idee, einer Anzahl todesbereiter Extremisten und Geld für die Vorbereitung.
Hat überhaupt schon einmal Jemand laut die Frage gestellt wieviel bei diesen Attentaten aus Perspektive der Terroristen eigentlich schiefgelaufen war? Hat schon einmal Jemand laut die Frage gestellt warum es später keine ähnlich durchschlagenden und ähnlich gut organisierten Angriffe mehr gegeben hat?
Es ist AlQuaida ja offensichtlich nicht gelungen sämtliche Staaten der “willigen Nationen” mit verheerenden und die Moral der Bevölkerung zermürbenden Anschlgasserien zu überziehen. Und selbst die Attentate von Madrid unterschieden sich qualitativ wie quantitativ kaum von dem was auch ein paar innerspanische Separatisten “zuwege” bringen.
Comment / 11-09-2009 / 18:45
Versagt hat eigentlich niemand bzw. niemand hat daneben gelegen, denn niemand kann eigentlich ein sinnvolles Maß angeben.
Man kann eben nicht Wirtschaftskraft sinnvoll aggregieren und damit messen und vergleichen.
Und wenn man nicht messen kann, kann man sich auch nicht vermessen.
Comment / 11-09-2009 / 19:00
@Peter
guter hinweis: die frage bei zahlen ist nicht ‘stimmen die?’ sondern ‘wem nützen sie?’ …
@hanz
ich stimme dir zu, wenn es um relative feinheiten geht: da ist ‘besser’ und ‘schlechter’ nicht verlässlich zu bestimmen (auch relativ zu einem gut definierten massstab). aber so gnadenlos falsch in die zahlengrütze zu schlagen verrät (wenn’s nicht kalkül war, s.o.) groteske dummheit bei der gesamten politisch gemolkenen wirtschaftswissenschaft.
warum ist keiner dieser bewertungshasardeure mal für 2 tage in die ddr gefahren und hat sich umgehört? oder einfach den substanzverfall (gebäude, industrieanlagen etc.) in augenschein genommen? ich meine: so ganz praktisch. ohne staatliche (und stattliche) bilanzfälschungen. gucken + denken. reicht doch.
oder?
Comment / 11-09-2009 / 19:26
Nuja, ich habe einige Jahre in der DDR gelebt, wüsste aber trotzdem nicht, wie ich durch bloße In-Augenscheinnahme die Wirtschaftskraft der damaligen DDR bestimmen wollte. Ist ein prinzipielles Problem.
Und davon mal angesehen: als offizieller Besucher aus dem “kapitalistischen Ausland”, zumal als Begutachter der sozialistischen Wirtschaftskraft, konnte man wohl nicht einfach mal so “gucken”. Da gab es dann staatssichernde “Begleitung” und Führung bzw. Schubsung durch potemkinsche Dörfer. Darin war man bestens geübt. Jedesmal wenn irgendeine Bonze kam, wurde aufgefahren, die Fassaden frisch gepinselt, Blumen gestreut, eisern gelächelt …
Am Ende wusste nicht einmal der Honecker “Bescheid”.
Comment / 11-10-2009 / 10:56
@Andreas & hanz
Wir wissen natürlich nicht in welchem Umfang die Wirtschaftsleistung der DDR herangezogen wurde um Defizite in anderen Ostblockstaaten auszugleichen. Gerade über die Energiegeschäfte mit der UdSSR könnte da schon Einiges an Wirtschaftsleistung “abgeflossen” sein. Auch wäre zu berücksichtigen daß die DDR häufig als “verlängerte Werkbank” Westdeutschlands tätig war. Auch dies dürfte unter Berücksichtigung des ausdrücklichen West-Devisen-Hungers des Regimes zu einem realen Abfluß von Wirtschaftsleistung – aber vor allem Konsumgütern geführt haben. Schließlich handelte es sich ausgerechnet bei den bevorzugten Importprodukten aus der DDR um solche Waren die in der DDR selbst überteuerte Mangelware war!
Beispiel: Die Automobilindustrie überarbeitete Austauschaggregate für Volkswagen – während DDR-Ler 10 Jahre auf einen Trabanten warten mußten. Haushaltsgeräte aus der DDR wurden in Westdeutschland als Billigmarken verkauft – während vergleichbare Geräte in der DDR selbst stark überteuert bzw. gar nicht erhältlich waren.
Ein weiterer Aspekt wäre noch der Aufwand für die Landesverteidigung.
So gesehen – und unter Berücksichtigung der Tatsache daß in der DDR wohl auch enorm viel Volksvermögen einfach in Folge mangelden Verantwortungsgefühls und Interesses unterging – war vielleicht die Vergleichsrechung die Potenziale betreffend gar nicht einmal so abwegig.
Werten wir das doch einfach einmal als das was es ist: Ein Indiz daß Sozialismus einfach eine grottenschlechte Organisationsform ist.
Ein einfacher Bürger der sich einfach überhaupt nicht um seine Besitztümer kümmert – der hat schließlich auch letztendlich weniger als ein “identischer” Bürger, der sich um seine Sachen sorgt.
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