Stefan hat vorgeschlagen, die Nationalökonomie von Ludwig von Mises ‘mal mit kommentierbaren (!) Wochensprüchen aus der Versenkung zu locken und einer verbreiterten Wissensbasis zu öffnen oder so … also fange ich mal mit der grössten Zumutung an (sozusagen der vierten Kränkung der Menschheit nach Kopernikus, Darwin und Freud):
Die älteren Denker hatten die gesellschaftlichen Probleme unter dem Gesichtspunkte der Regierung von Menschen durch die Obrigkeit betrachtet. Sie suchten Normen für die Politik aufzustellen, eine Kunstlehre der Menschen- und Staatsführung. Die philosophischen Köpfe entwarfen Reformpläne für den Neubau des Staates, die bescheideneren begnügten sich mit der Sammlung und Ordnung des gegebenen Erfahrungsstoffes. Alle aber waren von der Überzeugung durchdrungen, dass im gesellschaftlichen Leben keine Gesetzmäßigkeit und Notwendigkeit von der Art walte, die man im Ablauf des Denkens und der Naturvorgänge bereits erkannt hatte. Man forschte nicht nach den Baugesetzen der Gesellschaft, weil man dachte, die Gesellschaft könne von den Menschen willkürlich gebaut werden. Wenn im Staate nicht alles den Wünschen der Reformer entsprach und wenn ihre Utopien sich als undurchführbar erwiesen, so konnte das nur der sittlichen Unzulänglichkeit der Menschen zugeschrieben werden. Die gesellschaftlichen Probleme erschienen als ethische Probleme. Um den Idealstaat nach den Plänen der Reformer zu errichten, bedürfe es, meinte man, guter Fürsten und guter Bürger; mit guten Menschen lasse sich jedes Gesellschaftsideal verwirklichen.
Die Entdeckung der notwendigen Verbundenheit der Markterscheinungen stürzte diese Auffassung. Man stand mit Verblüffung einer neuen Erkenntnis gegenüber. Es gibt also, musste man sich sagen, auch für die Betrachtung menschlichen Verhaltens in der Gesellschaft einen anderen Gesichtspunkt als den von gut und böse, von gerecht und ungerecht. Auch im Gesellschaftlichen waltet eine Gesetzmäßigkeit, der sich das Handeln anzupassen hat, wenn es erfolgreich sein will. Man hat an die gesellschaftlichen Erscheinungen nicht mehr als Richter heranzutreten, der Lob und Tadel spendet nach Wertmaßstäben, die er aus seinem Empfinden hervorholt; man hat die Gesetze der gesellschaftlichen Kooperation zu erforschen, wie der Physiker die Gesetze der Mechanik erforscht. Die menschliche Gesellschaft und das menschliche Handeln als Gegenstand einer Wissenschaft vom Sein, nicht mehr einer Normwissenschaft vom Wünschenswerten, das war eine Wendung von ungeheuerer Tragweite sowohl für das Denken als auch für das Handeln selbst.
Pingback / 11-11-2009 / 09:40
[...] Denkfigur mit dem Mises zusammenbändeln … das wäre doch was, gell? Vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie eine [...]
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