Vorlesen

Robert Enke ist tot.

D:SF trauert, so richtig doll: Bierhoff weint, Zwanziger ist weniger knallhart und weniger geistlos als sonst., die Witwe übernimmt sich mit der die Erklärung /alle Achtung! – aber alle viertel Stunde oder so kotzt die Werbung in’s Gefühlige mit ungebremstem Optimismus und rasenmäheriger Kaltschnäuzigkeit.

Verdammt! Wäre es nicht möglich gewesen, dass die Werbetreibenden auf die Ausstrahlung ihrer eh schon peinlichen Nicklichkeiten spontan verzichten (ohne dem Sender die Mittel zu entziehen) – einfach einblenden: dieunddie Versicherung und dieunddie Autofensterreperaturfirma und derundder HD-TV-Anbieter sind traurig und schweigen??? Nein! Natürlich nicht! Selbst D:SF wirbt locker und ohne sensible Abweichung für den U-20-Contest … als wäre die Contesterei nicht ein wenig (ein ganz kleines WENIG!!!) durch Enkes Tod zu relativieren …

Ich sehe jeden 2ten Spieltag der Bundesliga die Fans von ’96 und der jeweiligen Gegner an meiner  Arbeitsstätte vorbeithasten – bierseelig, laut, grölend. Heute zog ein riesiger Schweigemarsch am Fenster vorbei, mit Kerzen, Fackeln und einem sanften Gemurmel – eine Werbeunterbrechung wäre gewaltsam unterbunden worden, hätte peinlich bis ins fünfte Glied gewirkt und den Werbenden in die moralische Unterwelt katapultiert. Das Fernsehen aber macht’s hemmungslos: entweder unflexibel hölzern-kalkuliert wie’s Öffentliche; oder seelenlos wie’s Private.

Mensch! Kinders! Verliert doch mal eure Fassung! (Aber in diesem Punkte sind Sozialisten und Kapitalisten gleich MICKKKKKKKERIGG!) …