Vorlesen

“[...] die Geschichte läuft so, dass man einige Bienen in einer Flasche einsperrt, die am Flaschenhals offen ist und nun die Flasche so auf einen Tisch legt, dass der Flaschenboden zur Lichtquelle zeigt. Alle Bienen suchen beharrlich am Flaschenboden nach einem Ausgang. [...] weil sie glauben, dort, wo es hell ist, müsse der Weg nach draußen führen. Sie sterben vor Hunger oder Erschöpfung, weil sie den Ausweg nicht finden. Sperrt man nun dieselbe Anzahl Fliegen in dieselbe Flasche, die man wieder mit dem Flaschenboden zur Lichtquelle dreht, kann man beobachten, wie die Fliegen aufgeregt, unsystematisch und undiszipliniert hin und her schwirren und zufällig den Ausgang finden. [...] weil sie sich chaotisch verhalten können und untereinander nicht über eine Regulierung verfügen, die dazu führen könnte, dass alle das Gleiche tun. Sie kommunizieren nicht mit einander, sondern sie tun etwas. Und profitieren vom Vorteil des Zufalls. Die Maxime “Seid Bienen wie die Fliegen!” ist dann natürlich paradox. Sie richtet sich an Menschen, denn diese können diszipliniert sein wie die Bienen und umher schwirren wie die Fliegen.”
(Dirk Baecker / Alexander Kluge: Vom Nutzen ungelöster Probleme, Merve Verlag 2003, S.65f)