“[...] die Geschichte läuft so, dass man einige Bienen in einer Flasche einsperrt, die am Flaschenhals offen ist und nun die Flasche so auf einen Tisch legt, dass der Flaschenboden zur Lichtquelle zeigt. Alle Bienen suchen beharrlich am Flaschenboden nach einem Ausgang. [...] weil sie glauben, dort, wo es hell ist, müsse der Weg nach draußen führen. Sie sterben vor Hunger oder Erschöpfung, weil sie den Ausweg nicht finden. Sperrt man nun dieselbe Anzahl Fliegen in dieselbe Flasche, die man wieder mit dem Flaschenboden zur Lichtquelle dreht, kann man beobachten, wie die Fliegen aufgeregt, unsystematisch und undiszipliniert hin und her schwirren und zufällig den Ausgang finden. [...] weil sie sich chaotisch verhalten können und untereinander nicht über eine Regulierung verfügen, die dazu führen könnte, dass alle das Gleiche tun. Sie kommunizieren nicht mit einander, sondern sie tun etwas. Und profitieren vom Vorteil des Zufalls. Die Maxime “Seid Bienen wie die Fliegen!” ist dann natürlich paradox. Sie richtet sich an Menschen, denn diese können diszipliniert sein wie die Bienen und umher schwirren wie die Fliegen.”
(Dirk Baecker / Alexander Kluge: Vom Nutzen ungelöster Probleme, Merve Verlag 2003, S.65f)
22.11.2009 / 13:15
Andreas Ullrich
Denk-Anstoss
Andreas Ullrich
Denk-Anstoss
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Comment / 11-22-2009 / 16:34
guter hinweis!
fragt sich nur, wozu menschen, die sich bei verstand und vernunft befinden – ‘gaben’ also, über die bienen und fliegen nicht verfügen dürften – so im einzelfall ‘neigen’, denn: frei nach Schopenhauer ‘kann der mensch wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will’. also könnte er auch in der flasche bleiben und sogar drin sterben wollen …
ich als biene mach mal lieber die fliege
…
Comment / 11-22-2009 / 17:12
hi bienchen,
du scheinst aber doch über einigen verstand zu verfügen …
das mir dem wollen ist entweder ganz einfach, simpel: der mensch will, was er will; oder ein unendlicher regress: das ur-ur-ur-…-ur-eigentliche wollen. auf der handlungsseite gilt die simple version, auf der denkseite die regressive fassung. darum: nicht rumlabern, sondern tun.
kompliziert wird’s nur, wenn das rumlabern das tun ist … wie bei’m bloggen …
Comment / 11-22-2009 / 17:35
ja, gut, so geht’s auch
…
… aber wer labert denn hier? wenn ein kluger blogger (schon zum zweiten male!) den klugen kluge (& compagnon) einrückt, labert er nicht! mich als eifrig be_tu_liche ‘nur-kommentatorin’ kannst du ja nicht gemeint haben, oda
?
Comment / 11-22-2009 / 19:49
So einfach läßt sich Praxeologie anschaulich erklären!
Comment / 11-22-2009 / 22:26
Die (vorläufig noch) Lebenden sind also die Schlauen und die (bereits) Toten die Dummen.
Mal abgesehen davon, dass die vermeintliche Schlauphase in Naturmaßstäben eh nicht länger andauert als ‘n Pups, auch wenn man noch so schlau ist: Wieso ist leben im Dunkeln eigentlich besser als sterben im Licht ?
Comment / 11-23-2009 / 07:35
@ maik
berechtigte frage eigentlich …
so ein pups kann sich hinziehen, und es können flaschen im weg liegen, in denen es ziemlich ungemütlich wird (oder eben auch nicht) – immer vor augen: den offenen flaschenhals als versprechen oder als ‘last exit’, je nach dem.
wir haben die wahl, insekten nicht – d. h.: haben wir sie denn auch? da bin ich mir nicht mal so sicher. denn da wäre doch noch die sache mit dem ‘geworfensein’, dem ‘fatum’ und so …
aber prinzipiell würde ich sagen: besser blind_lings leben wie die fliegen als ver_blendet sterben wie die bienen.
Comment / 11-23-2009 / 08:02
Wieso ist leben im Dunkeln eigentlich besser als sterben im Licht?
Voraussetzung war, dass die Tierlein die Flasche verlassen wollen. Warum die das wollen ist eine zweite Frage.
Comment / 11-23-2009 / 08:19
Menschenskinder, ja: warum eigentlich? das ist die frage!
könnte es ihr ausgeprägter drang zur freiheit sein? na klar, so als beflügelte flugobjekte muss ihnen freiheit alles bedeuten ….
Comment / 11-23-2009 / 08:39
… wobei es den tierlein bei ihren befreiungsversuchen ja doch bloss um die behinderte nahrungsaufnahme gehen dürfte. überlebensfähige expansion und das erschliessen neuer märkte ist also auch ihr motiv
…
Comment / 11-23-2009 / 09:15
Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müßt ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muß es möglich sein, auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden
(brecht, 3groschenOper)
Comment / 11-23-2009 / 11:43
Wobei ne Moral, die das Fressen/Überleben/Erhalten nicht miteinschließt, ne ziemlich magere Moral ist.
Comment / 11-23-2009 / 12:04
stimmt, darum kriegt die spiessbürgermoral, die fressen stillschweigend als selbstverständlichkeit voraussetzt, auch vom proletarischen schwesterlein eins inne fresse …
Comment / 11-23-2009 / 15:55
wie’s unter so’ne geschwister halt üblich iss: da gibts nix zu mehr diskutieren … auch nicht, wer die light-produkte aus welchen grund zu sich nimmt und wie lange noch … magerstufe hat doch auch vorteile, gell
?
Comment / 11-23-2009 / 16:41
“magerprodukte” (als begriffliche addition von ‘light-produkte’ und ‘magerstufe’
iss geil! könnte sich um kulturindustrielle erzeugnisse handeln …
Comment / 11-23-2009 / 17:55
ich wüsste eins! so ein kulturindustriell erzeugtes magerprodukt könnte z. b. die ‘classless society’* sein (als class struggle for equal meals), created im sinne brechts by karls erben und den upper-spiessern von nebenan … moral advantage libertarians included! listen:
“in Marxism, the ultimate condition of social organization, expected to occur when true communism is achieved. According to Karl Marx (1818–83), the primary function of the state is to repress the lower classes of society in the interests of the ruling class. However, after the class struggle has resulted in the victory of the proletariat and the establishment of a socialist society, there will be no further need for such a repressive institution; with the disappearance of classes, the state is expected to ‘wither away’.”
Britannica.com)
(nein, ‘es ist nichts’! nur bienenfleiss, der den ausgang am lichten ende sucht
…und an was dachtest du so?)
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