Der Fall Roman Polanski. Ganz engagiert verhandelt hier. Aber selbst diesem scheinbaren Selbstdenker fallen letztlich nur christlich-bürgerliche Sottisen dazu ein wie (gesellschaftliches) ‘Mitleid’ und (gesellschaftliche) ‘Vergebung’.
Gibt es vielleicht jemanden, der mehr Recht als alle Menschen oder Ideologien dazu hätte, ein verbindliches Urteil zu sprechen: das Opfer selbst? Wird dieses (inzwischen erwachsen und mündig) auch nur einmal als eigentlich und ursprünglich entscheidende Person erwähnt? Nein, natürlich nicht. Es wird zum reinen Verhandlungsgegenstand – wie beim staatlichen Strafrecht, das Opfern von Vergewaltigungen nur das ‘Recht’ der Nebenklage zugesteht: rechtliche Ideologien erhalten das Vorrecht vor individuellem Leid und dessen Linderung.
Erst wenn ‘Mitleid’ und ‘Vergebung’ als Reaktionen des verletzten Menschen gegenüber dem verletzenden Menschen frei formuliert werden, haben sie Substanz und Geltung schaffende Kraft. Nur diesem Verletzten steht es zu, solche Wertungen auszusprechen und deren Wirksamkeit einzufordern. Alles andere ist selbstgefälliges Geschwätz und kollektives Heuchlertum. Weil es halt so einfach ist, zu verzeihen, wenn es nicht um die eigene Haut oder die eigene Seele oder gar um beides geht.
Sowohl ‘Rache’ wie ‘Verzeihen’ sind Rechte, die einem einzelnen Menschen zustehen können – nie jedoch einem Kollektiv. Und sei es auch das Kollektiv, das ein eigentlich sympathischer Querdenker und eine christlich verseuchte Ideologie miteinander bilden.
Comment / 12-04-2009 / 12:58
>>>Gibt es vielleicht jemanden, der mehr Recht als alle Menschen oder Ideologien dazu hätte, ein verbindliches Urteil zu sprechen: das Opfer selbst?
M.E besteht eine Täuschung darin, wenn man glaubt, dass man selbst irgendwie unideologisch sein könnte.
- Ideologie verstanden im Sinne von Marx als ein Ideensystem, das durch Zwecke oder (Klassen)-Interessen “verunreinigt” ist.
Das Opfer hat das Recht. Das Opfer soll entscheiden. Das ist doch Ideologie.
Letztlich braucht jede Entscheidung eine Ideologie, also ein Interesse, eine “Verunreinigung”, eine perspektivische Sicht.
Comment / 12-04-2009 / 13:10
So wie es dann auch keinen nur scheinbaren Selbstdenker gibt. Alles, was für jemanden denkbar ist, muss vollkommen selbst gedacht werden. Das kann von niemandem auf irgendeine Weise stellvertretend übernommen werden.
Der Schein besteht vielmehr darin, dass man andere für sich denken lassen könnte.
“Die Welt ist mein Eigentum!”
Pingback / 12-04-2009 / 18:53
[...] Querdenker und eine christlich verseuchte Ideologie miteinander bilden.1 Andreas Ullrich – Hallo, war da nicht noch wer …? [↩] « Religiöse vs. wirtschaftliche Freiheit Geschrieben von Benjamin B. | [...]
Comment / 12-04-2009 / 19:08
wenn ich es richtig sehe, beklagst du – jedenfalls im vordergrund (der theorie von der rechtsideologie) – dass in der fall_studie des ‘selbstdenkers’ das opfer nicht vorkommt. ja, das fällt auf. und spätestens dann, wenn ich lese, dass ‘rache’ wie ‘verzeihen’ rechte seien, die einem einzelnen menschen zustehen können (stimmt!)), fällt mir ein, dass das opfer ja eines dieser rechte in anspruch nahm: sie hat dem geilen typen verziehen.
also frage ich mich ‘zu recht’ (?), warum sich gerichte trotzdem bis heute mit ihm befassen – dann aber auch, warum sie der opfer_mutter nicht fahrlässige ‘beihilfe’ zur vergewaltigung vorgeworfen haben; m. e. war sie durchaus mitschuldig an der tat: sie hat ihre minderjährige tochter gehen lassen und lärm + kapital aus einer durchaus voraussehbaren (wenn nicht gar von ihr angedachten) tat geschlagen; ihr delikt würde ich deshalb ‘sex_objekt_leasing’ nennen, eine aus mehreren motiven weit verbreitete unsitte; hier vermutlich, da es einträglich hätte sein können (und es auch war), die tochter zu ‘opfern’ …
ich weiss von einer ähnlichen tat – alltäglich! unprominent! – die dem täter vom opfer zwar vergeben war und doch noch mit einer späten ohrfeige auf offener strasse abge_straft werden konnte; die wucht des schlags liess den alt gewordenen mann taumeln, aber nicht stürzen; bald darauf starb er. woran? schuldanerkenntnis + reue? die mutter des opfers dagegen, eindeutig mittäterin, blieb zeitlebens von jedem offenen vorwurf ver_schont, bis heute. warum? was sind das für bande, die ohne das recht auf rache oder verzeihen auskommen?
dem opfer geht es gut, mitgefühl hat es nie erwartet, aber es schämt sich seiner mutter! warum ich das erzähle? um btw. das hehre mutterbild zu korrigieren, das söhne in der regel haben; so manche töchter machen völlig andere erfahrungen mit müttern, die, um das nachlassen eigener reize zu kompensieren, dabei aber doch ‘dienstbar’ sein wollen, ihre töchter vor_schicken. ein straftatbestand? ja!
Comment / 12-05-2009 / 04:24
Mütter, die ihre Töchter vor_die_eigene_Muschi schicken, machen das, weil sie damit Stress mit dem Drecksack aus dem Weg gehen, und somit versorgt bleiben.
Diese Generation (also der heiligen Jungfrau Maria) hatte nur das Sozialamt und die Alleinerziehendenkarriere noch nicht entdeckt. Gabs ja auch noch nicht. Daher musste ein Religionsgründer her, wenn keine Tochter da war.
Mit dienstbarer Kompensation verblichener Reize hatte das ihrerseits nichts zu tun –
denn mit den unverblichenen Reizen geizten solche Weiber auch bereits, und nicht aus Zierde – sondern einfach nur damit, daß sie lieber die Tochter ficken lassen, als sich selbst. Aber da war in meinem Fall keine.
Und dieses nicht sich ficken-lassen-wollen hat nicht unbedingt nur was mit dem Kerl zu tun, sondern durchaus auch was mit
der eigenen Einstellung zum Sexus, die durchaus dazu beigetragen haben mag, was dieser Kerl später für ein notgeiles Arschloch wurde.
Denn für den ist die jungfräuliche Tochter, die ihn ja auch meist noch abhängig liebt, willkommene Abwechslung zu seiner verknöcherten und oft hyperdominanten Alten.
Bzw. sie wäre gewesen. Aber so blieb nur ich.
Pardon my french, aber ich habe diesbezüglich reichlich Erfahrungen gemacht,
mit Töchtern die sowas (eher dann doch nicht) hinter sich hatten. Die kommen in meiner Biografie statistisch leider überdurchschnittlich vor, auch schon bei Vater und Onkel. Liegt vermutlich letztlich an meinem vordergründig schwachen Opa und dessen vordergründig starken aber im Grunde nur frigiden Frau, und was mich betrifft meiner früheren Identifikation mit dem selbst ödipalen Vater, dem Frauenrechtler, der meinte, damit ein besserer Mann als Papi für die arme Mutti zu sein. Denn die hatte auch keine Tochter. Der Sohn, also ich, war wiederum für ihn ein böser Mann, drum wollte ich für die Frauen ein besonders Guter sein, usw. Maria Magdalena, diese arme in der Kindheit missbrauchte Hure, nieand durfte erfahren daß ich sie heiratete…
Es ist und war 1 rotes Kreuz… Aber mein Psychiater empfahl mir, darüber zu schreiben.
Comment / 12-05-2009 / 10:20
gut, dass wir auch darüber geredet haben, lazarener. somit wäre der kreis diesbezüglicher kausalitäten geschlossen. danke. friede sei mit dir und dem roten kreuz.
und so wie der alt_sprayer naegeli seinerzeit das schweizer zuchthaus überstanden hat, wird der alt_trieb_täter polanski es wohl auch aushalten können, sein chalet in der schweiz ab sofort mit der fussfessel zu bewohnen. da wäre dann vielleicht noch die schwere frage nach der liberalität des kleinstaats, aber was soll’s, es gibt schwerere … die z. b., die sich freud auch nach dreißigjährigem studium der weiblichen seele noch nicht beantworten konnte, nämlich: ‘was eine frau eigentlich will’ … ?
komisch, dass er da nicht drauf gekommen ist: den mann an_zeigen können dafür, dass er einer ist … was denn sonst
?
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