Vorlesen

Nochmal Jonathan Magonet. In Abraham-Jesus-Mohammed schreibt er (S. 85): »Bleiben wir bei dieser Vorstellung von Gott als einem Vater, der seine Kinder liebt, immer bereit, ihre Fehler zu akzeptieren, ihnen zu vergeben.« Einige Seiten vorher (S. 81) zitiert er »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« aus Levitikus (3. Buch Mose 19,18). Genau das Buch, in welchem haufenweise »liebende« Anweisungen wie diese stehen (Kapitel 20 nach Luther-Bibel 1984; Auslassungen wegen blogg-gerechter Kürze*):

»6 Wenn sich jemand zu den Geisterbeschwörern und Zeichendeutern wendet, dass er mit ihnen Abgötterei treibt, so will ich mein Antlitz gegen ihn kehren und will ihn aus seinem Volk ausrotten. […] 9 Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll des Todes sterben. […] 10 Wenn jemand die Ehe bricht mit der Frau seines Nächsten, so sollen beide des Todes sterben, Ehebrecher und Ehebrecherin, weil er mit der Frau seines Nächsten die Ehe gebrochen hat. 11 Wenn jemand mit der Frau seines Vaters Umgang pflegt und damit seinen Vater schändet, so sollen beide des Todes sterben; ihre Blutschuld komme über sie. 12 Wenn jemand mit seiner Schwiegertochter Umgang pflegt, so sollen sie beide des Todes sterben, denn sie haben einen schändlichen Frevel begangen; ihr Blut lastet auf ihnen. 13 Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen. […] 27 Wenn ein Mann oder eine Frau Geister beschwören oder Zeichen deuten kann, so sollen sie des Todes sterben; man soll sie steinigen; ihre Blutschuld komme über sie.«

Magonet ist ein Beispiel für das, was Dawkins die selektive Wahrnehmung nennt, die man braucht, wenn man als anständiger Mensch mit der Bibel (oder dem Koran oder …) leben will. Es gibt jede Menge anderer Umgehensweisen. Dawkins (S. 411) berichtet über ein Interview mit dem fundamentalistischen christlichen Prediger Michael Bray: »Ich [Richard Dawkins] wies darauf hin, dass das biblische Gesetz für Ehebruch die Todesstrafe durch Steinigung vorsieht. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass er [Michael Bray ] dieses Beispiel als offensichtlich übertrieben abtun würde, aber er überraschte mich. Vergnügt [!] erklärte er, man solle Ehebrecher nach einem ordnungsgemäßen Gerichtsverfahren durchaus hinrichten.«

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* Ich will nicht verschweigen, dass auch mit dem Tod bestraft werden soll, wer sein Kind opfert (20,2). Das wirft zusätzlich ein Licht moralischer Zweideutigkeit auf die Isaak-Geschichte (Gotteswahn III).