Da die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin (Joh 7,53-8,11) in ihrer Authentizität bezweifelt wurde, habe ich nachgeforscht. Einige Anmerkungen:
1. Die Geschichte widerspricht zwar einigen Aussagen des Neuen Testaments, entspricht allerdings anderen. Ist eine Illustration von “richtet nicht” (Mt 7,1; Lk 6,37).
2. Selbst wenn die Geschichte nicht ursprünglich Teil des Evangeliums nach Johannes war, kann sie durchaus aus mündlicher Überlieferung von Jesus-Geschichten stammen und eingefügt sein.
3. Die ältesten Erwähnungen der Geschichte finden sich um 100 n.Chr. Wenn das Evangelium nach Johannes um 90 n.Chr. entstanden ist, befindet sich dazwischen nur eine Lücke von 10 Jahren.
4. Augustinus schreibt: »Einige Personen mit kleinem Glauben, oder eher Feinde des wahren Glaubens, fürchten, so meine ich, ihren Frauen wäre Straffreiheit vom Sündigen gegeben worden, und so entfernten die aus den Manuskripten des Herrn Tat der Vergebung gegenüber der Ehebrecherin.« Die Auslassung der Geschichte könnte also bewusste Zensur sein und spricht nicht notwendigerweise gegen ihre Authentizität.
5. Wer sich durch viel Material durcharbeiten will: hier.
15.12.2009 / 12:22
Stefan Blankertz
Privatissimum
Stefan Blankertz
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Comment / 12-15-2009 / 13:49
Wenn man Bibelerzählungen von Jesus getreuen Glauben schenkt, die mind. 3 Generationen später in Griechisch niedergeschrieben wurden, dann muss der Glaube in der Tat unerschütterlich sein. Ich will aber niemanden beleidigen.
Comment / 12-15-2009 / 14:58
Das Markus-Evangelium könnte um 50 n.Chr. entstanden sein, also 20 Jahre nach dem Tod von Jesus. Aber in diesem Fall geht es eher um die Frage, ob die Episode mit der Ehebrecherin authentischer Teil des Johannesevangeliums ist.
Das ist übrigens eine textkritische Frage, die voraussetzt, dass das Neue Testament nicht ein unantastbarer, unteilbarer heiliger Text, direkt inspiriert vom heiligen Geist ist, sondern ein historischer.
Comment / 12-15-2009 / 16:25
Es ist doch wurscht, was an der Bibel authentisch ist. Es lässt sich eh kaum nachweisen. Die Bibel ist eher eine Art Knigge als ein Geschichtsbuch, aber selbst als Knigge ist es denkbar schlecht geschrieben.
Comment / 12-16-2009 / 07:42
“Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!” (Fordert Jesus.)
Aber ‘kann denn Liebe Sünde sein?’ Nein, in Form eines ehelichen Seiten_sprungs praktiziert, kann sie ein Scheidungsgrund sein (muss aber nicht). Interessant auch, dass er im Beispiel der biblisch always nach_rangigen Frau zugeordnet und vorgeworfen wird … obwohl, wenn überhaupt, doch beider _Sprünge im Fokus der Moral zu stehen hätten.
Hier zeigt sich imho nur wieder mal die restriktive Unterminierung/Torpedierung eines vernünftigen Rechts_empfindens durch die auf Jesus gründenden Religionen, bzw. Kirchen. Aus dem, was bei ihm – falls so geschehen – ein Appell ans Ge_wissen war, wurde bei den Kirchen macht_voll ausgespieltes ‘Er_barmen’ … mit einer ‘Sünderin’!
Das war kein akzeptables Angebot! Es hätte streng (oder ‘soft’?) nach Jesus eigentlich Verstehen und Verständnis sein müssen; keiner ist Eigentum des Anderen, auf dass er befinden dürfte über dessen eigen_sinnige Bedürfnislage.
(Ist bei mir, sorry, gerade jenseits aller Textkritik, wurscht oder nicht, einfach so herausgebrochen
… )
Comment / 12-16-2009 / 09:57
“bis das der Tod euch scheidet” ist sowieso unchristlich geheuchelt und verführt.
Comment / 12-16-2009 / 13:38
@Stefan Blankertz
“Inspiriert vom Heiligen Geist” bedeutet m.E. eben nicht “unantastbar, unteilbar heilig”, sondern lässt Textkritik zu. Auch die Konzile nehmen diese Inspiration ja für sich in Anspruch – Erweiterungen sind da also immer drin.
Comment / 12-16-2009 / 15:53
Vielleicht meinte Er auch nur:
Hey, macht euch mal locker, wir leben unter
römischer Herrschaft, und mit Steinigen is grad nich. Kann ja sein daß die Schlampe mit dem Römer rumgemacht hat, an den ihr nicht hochpinkeln könnt, aber ihr seid doch
selber alles Hurenböcke, so, und wer was anderes behauptet, und blöd genug ist sich wegen religiöser Umtriebe vor einem römischen Gericht wiederzufinden, ja bitte, werfe er den ersten Stein. Ich hab da keinen Bock drauf, ich hab heut abend auch noch was vor. (malt weiter am durchbohrten Herz im Sand)
Ach, sind alle weg, Überraschung…
DANN verdamme ich dich auch nicht.
Also zisch auch ab und halt den Ball flach.
Comment / 12-17-2009 / 08:35
coole version, die da oben, aber als einen opportunisten, der da sagt:
” … und mit Steinigen is grad nich”,
kann ich mir diesen jesus nicht vorstellen; das hab’ ich anders ge_lernt, d. h., man hat mir was anderes ein_gepflanzt, damals, im religionsunterricht … oder war’s nicht sogar schon vorher da?
davon abgesehen: welchen kriterien unterliegt der wunsch und die bereitschaft zum steinigen ehe_brecherischer frauen – heute? das regiment der römer scheidet aus, ihr reich ist untergegangen; nachgewachsen sind hexenverbrenner, humanisten, aufklärer, menschenrechtler und frauenbefreierInnen, und immer noch gibt es sie, die rächer am weiblichen geschlecht …
mir bleibt die generelle feststellung (die hier ja schon getroffen wurde): der bezug auf eine wertende, richtende, strafende grösse ausserhalb von uns – menschen_gemachte religionen also – sind das problem, das gegen die vernunft steht. dabei können wir doch selbst intuitiv unterscheiden, was gut oder böse ist, dazu bedarf es imho auch keiner instanz wie der eines barmherzigen jesus oder eines ‘grenzenlos barmherzigen’ allah. beide sind ausgelagerte manifestationen dessen, was (o.k.: in allianz mit ‘satan’ … ) in uns ist. die frage der zulässigen dominanz klärt die vernunft und das recht.
gottes_wahn besteht m. e. aus definierbarer sehnsucht, und darin hat er sich, wenn’s nach mir ginge, gefälligst zu beschränken und, von mir aus: auch zu gefallen; zu mehr taugt er nicht …
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