Vorlesen

Musik und Kino, Presse und Fernsehen, Blogs und Wikis, um nur die Massenmedien zu nennen, aber auch der Wochenmarkt in der Großstadt, die Bildschirme des Wertpapierhändlers, die Akten des Kanzleramtschefs, die Expertensysteme in der medizinischen Diagnostik, die War Games der Online Communities oder die Kriegsszenarien der Verteidigungsministerien könnten daraufhin beobachtet werden, wie es ihnen jeweils gelingt, sowohl gesellschaftlich folgenreich als auch mental attraktiv zu sein. Der gesellschaftskritische Verdacht einer allgegenwärtigen Manipulation ist zu grob und zu dumm, um der Eigendynamik dessen, was sich hier durchaus ja immer wieder durchsetzt, auf die Spur zu kommen. Was ist aus welchen Gründen für wen attraktiv: Das wäre eine kognitionswissenschaftlich unterfütterte Fragestellung, die die alte Kulturkritik in eine neue Kulturtheorie überführt und dabei nicht vergisst, den Beobachter als denjenigen, der für seine Kulturreflexion verantwortlich ist, mitzuführen. [Dirk Baecker: Nach dem Manipulationsverdacht, taz 12.09.2006]