… hörte ich gerade in einer werbung, die ich nicht schnell genug wegdrücken konnte, um diesem unerträglichen getue zu entkommen. war wohl irgendetwas mit zahncrème.
keine bundesgesundheitsministerin kann spiessiger, kollektiver und verlogener sein, als dieses wortspiel. wohl mag man einwenden, dass der konsum von zahncrème gegenüber dem konsum von politik ein freiwilligerer sei. doch das ist nur ein reflex auf vorhandene machtverteilungen. hätte der zahncrèmehersteller das sagen, würde er anders reagieren (also etwa mögliche macht nicht in anspruch nehmen)? wohl kaum.
moral (als freiwillige zurücknahme möglicher machtergreifungen) ist nicht der realen verteilung der macht begrifflich abzuluchsen (indem die machtlosen die reale macht nur deshalb und umso lauter ablehnen, weil es nicht die ihre ist), sondern nur der grundsätzlichen ablehnung derselben. selbst der fast poetische spruch ‘die phantasie an die macht!’ versteht das nicht – denn es kann grausamste phantasien geben. und überhaupt: phantasie+macht=gulag!!! hitler, stalin, mao: alles romantiker. darum auch so zügellos, so masslos, so überschwappend.
die ablehnung der macht führt über das mikroskopische verständnis der machtausübung; auch und gerade als unvermeidlicher lebensäusserung lebendiger menschen. foucault ist ein meister dieses scheinschizophrenen gedenkes. wer einsieht, dass er das, was er leben muss, nicht leben will, kann wirklich das böse auf den raum beschränken, der unvermeidlich für’s eigene überleben ist – und gibt nicht dauernd aus purem übermut unverlagte zugaben ohne ende.
romantiker und buchhalter sind letztlich eines geistes.
Comment / 01-06-2010 / 10:17
ist das eine posse, bzw. ihr ‘making_of’? man öffne ein persönliches überdruck_ventil, um andere wissen (+ spüren!) zu lassen, dass das böse von/in macht auf den raum zu beschränken sei, der ihm zukommt.
dabei fällt (nebenbei) auf: auch können ist macht, wie macht(ausübung) auch im können gekonnt sein kann. und, um eines doch fälligen widerspruchs wegen: keinesfalls ergibt phantasie plus macht nur einen gulag, sondern z. b. auch musik, die prädikate wie ‘machtvoll’ oder ‘bezwingend’ mit leichtigkeit (er)trägt.
und sonst? wie sollte werbung ihren einzigen kampfstoff, die suggestion, aufgeben wollen oder können? sie arbeitet natur_gemäss mit methoden des machtgewinns. ich achte nicht auf sie, weil ich sie nicht achte: deshalb. die begrenzung des raums ihrer macht kommt also von mir. was sie mit anderen macht, macht mir zwar auch arge kopf- und bauchschmerzen, nur kann ich daran, solange ihr prinzip wirksam bleibt, nur wenig ändern; über dessen wirkung aufklären, wie du es machst, das ja.
also, ich verstehe sehr gut, meine ich, was du meinst, und stimme dir zu; nur verstehe ich nicht ganz, was die Zahncreme (oben) mit den Zugaben (unten) zu tun hat
… ?
Comment / 01-06-2010 / 10:35
täglich achten wir auf unseren körper und verstehen seine signale …
stell’ dir das suggestiv gesprochen, vom zweiten satz des berühmten klarínettenkonzerts von mozart untermahlt, aus den lautsprechern einer rehabilitationsklinik für kriminalisierte gesundheitsabweichler vor – sozusagen als phantastische zugabe … unverlangt. ich höre leider auch bei einer hilflos-harmlosen zahnpastawerbung den vorklang eines möglichen gesellschaftlichen desasters. gutmenschen peitschen ihren eigenen unwilligen körper nur am beginn – dann richtet sich die peitsche gegen die anderen unwilligen (damit auch sie gut werden). alles auf den spuren des christentums, der gewalttätigen bekehrung, der erzwungenen erleuchtung und letalen erlösung.
manchmal riecht mir halt zahnpasta nach stacheldraht.
Comment / 01-06-2010 / 11:33
… social_fiction, zu der es – so toll sie sich im rhetorischer vorklang liest! – bloss nicht kommen möge!
danke!
btw.: für mich isses eigentlich keine frage, dass die erfindung des stacheldrahts mehr zu fürchten ist als die erfundene dornenkrone. aber vielleicht irre ich mich auch … und sie ist doch ein und dasselbe?
Comment / 01-06-2010 / 16:10
übrigens: … ich höre leider auch (und frag’ nur blöd), wobei es mir eigentlich leid tut, dass es das leider braucht und die empfindung des leider so schwach verbreitet ist.
vielleicht gäbe es ja einen entwicklungssprung, wenn dieses leider sich wie die spanische Grippe ausbreiten würde bei denen, die der miss_bräuchlichen macht des werbens nicht auf den grund schauen …
Comment / 01-06-2010 / 16:55
Meine Nase ist da allein schon aus praktischen Gründen zu abgehärtet für solche homeopathischen Stacheldrahtgeruchsdosen in Zahnpasten. Ansonsten würde mir wohl bei jeder politischen Ansprache der Reichkolben zu einer Atompilswolke explodieren.
Comment / 01-06-2010 / 20:34
… was verstehst du unter einem ‘atompils’? klingt ultrageil …
Comment / 01-07-2010 / 01:13
… und das passiert mir als kaum bis gar nicht Biertrinker und dafür als Pilzsammler. Peinlich.
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