Alle Menschen tragen ein Sortiment von Wörtern mit sich herum, das sie zur Rechtsfertigung ihrer Handlungen, Überzeugungen und ihres Lebens einsetzen. Es sind die Wörter, in denen wir das Lob unserer Freunde, die Verachtung für unsere Feinde, unsere Zukunftspläne, unsere innersten Selbstzweifel und unsere kühnsten Hoffnungen formulieren. Mit diesen Wörtern erzählen wir, manchmal vorausgreifend und manchmal rückwärtsgewandt, unsere Lebensgeschichte. Ich werde sie das ‘abschließende Vokabular’ einer Person nennen.
Es ist ‘abschließend’ [final] insofern, als dem Nutzer keine Zuflucht zu nicht-zirkulären Argumenten mehr bleibt, wenn der Wert seiner Wörter angezweifelt wird. Über diese Wörter hinaus kann er mit Sprache nicht kommen; jenseits davon kann er sich nur in hilflose Passivität oder in Gewalt retten. [Kontingenz, Ironie und Solidarität, stw 978, S. 127]
11.02.2010 / 22:32
Andreas Ullrich
Babelogue
Andreas Ullrich
Babelogue
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Comment / 02-14-2010 / 11:48
Am leckersten finde ich immer diesen, ich nenne es mal konservierenden, positivistischen, naturalistischen Zirkel:
Frage: Wie soll es sein?
Antwort: So wie es ist/war.
Frage: Warum?
Antwort: Weil es halt so ist/war, deshalb soll es so bleiben. Alles andere ist sinnlose Traumtänzerei.
Da läuft’s mir immer kalt den Rücken runter (vorallem wenn ich sowas dann aus dem Munde vermeintlich “Liberaler” höre, also von eigentlich klassisch gesehen Progressiven) und ich befürchte, ich wäre in irgendeine blutleere Kafkatretmühlenwelt geraten.
Comment / 02-14-2010 / 15:27
Wenn die Worte ihre Bedeutung verlieren, verlieren Menschen ihre Freiheit.
Zersörerische Idologien okkupieren zuerst die Sprache und dann den Menschen.
Comment / 02-15-2010 / 14:08
Worte verlieren keine Bedeutung, weil Worte keine Bedeutung besitzen. Worte erhalten Bedeutung. Die Verbindung ist nicht fix.
Und genau darin liegt auch das Potential gegen Zensur und Unterdrückung. Denn die Benutzung bestimmter Worte, Sätze, Aussagen kann man bestrafen, aber die Verbindung zwischen Wort und Bedeutung kann immer wieder neu erzeugt werden. Also nicht diese Flexibilität ist das Übel in dem Sinne, dass sie ein exklusives Werkzeug in den Händen von Ideologen wäre, sondern höchstens die fehlende, wehrhafte Kreativität oder Fantasie derer, die sich unterwerfen lassen.
Comment / 02-15-2010 / 15:11
@hanz
Wunderbar, aber was ist ein Kreativer gegen einen Pöbel, der alles schluckt, was Despoten ihm eintrichtern?
Ein Kämpfer auf verlorenem Posten.
Bei Sentenzen muss man eben mal um die Ecke denken. Worte haben die Bedeutung, die man ihnen zumisst.
Sie verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung, bspw. durch einen Despoten, der die Sprache okkupiert. Man kann versuchen dagegen zu halten, indem man sich erklärt oder Aufklärung betreibt. Aber, das kann bedeutungslos sein s. o.
Der Hanz, der kannz
Comment / 02-17-2010 / 02:23
Blablabla, meine Worte sind meine Worte.
Und Ich bin mächtiger Grosnschwansi. Während Ihr einfach nur Scheisse seid!
Comment / 02-17-2010 / 09:26
q.e.d.
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