Heute erhielt ich von Ihnen eine mail, die so beginnt:
Gérard Bökenkamp ist von den Lesern von www.freiheit.org zum “Autor der Freiheit 2009″ gewählt worden. Bökenkamp verwies Vince Ebert und Roger Köppel auf die Plätze 2 und 3. Der Text des Berliners trägt den Titel “Ökonomische Gesetze: Der Markt ist unbezwingbar”.
Warum zum Teufel wird ein solcher Irrtum von Ihnen auch noch mit stolzgeblähter Brust kolportiert? Dieser dümmste denkbare Freiheitstext gehört beerdigt, nicht gefeiert!
Alle Erfindungen des Menschen, die demselben praktisch nutzen (Batterien, Fahrstühle, Motoren, Treppen etc. etc.), sind den unabänderlichen Naturgesetzen abgetrotzt, sind Tricks, dieselben zu überlisten, ihnen ihre Übermacht zu nehmen, ihre Beschränkungen zu relativieren. Kein Bergsteiger würde die Schwerkraft feiern – das bleibt den scheinliberalen Ökonomisten vorbehalten: die feiern sogar ihre grössten Widersacher, Hauptsache, es ist Ökonomie + Gesetz! Da kuscht man doch gerne, gell?
Ich feiere lieber die freeclimber, die die unmenschlich grosse Schwerkraft auf beherrschbares Menschenformat reduzieren, die Batterieerfinder, die den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik trickreich ausbooten, die Treppenerfinder, die vor Menschengedenken der Schwerkraft die Kraft ihrer Imagination entgegen gestellt haben.
Naturgesetze (auch ökonomische) sind Kostenfaktoren der menschlichen Phantasie – man muss ihnen Tribut zollen. Aber man muss nicht vor ihnen kuschen! Und die unübersehbare Lust der scheinliberalen Ökonomisten am Kuschen ist erschreckend! Phantasielos! Und ahnungslos.
Kein Preis dem Scheiss …
… richtig wütend und ein wenig fassungslos
A.U.
Comment / 03-03-2010 / 21:26
Allahu akbar!
Comment / 03-03-2010 / 21:28
La Ilaha il Allah!
Comment / 03-03-2010 / 21:55
Wenn ich vom Kölner Dom springen will, dann kann die Ökonomie mich nämlich mal!
Und die Schwerkraft! Und der ganze Scheiss!
Comment / 03-03-2010 / 21:58
die schwerkraft könnte dich natürlich nicht bei der entscheidung behindern, vom dom zu springen – nur die folgen würde die schwerkraft deutlichst modellieren …
Comment / 03-03-2010 / 22:40
Danach hätte sie aber fertig
Comment / 03-04-2010 / 01:08
Dazu passt ja prima der Beitrag zuvor. “Ökonomische Gesetze” sind auch nichts anderes als ein bestimmter Sprachgebrauch, ein Begriffssystem und im besten Falle viables Erkenntnismittel. Die vorgefundene, noch konturlose Welt kann damit betrachtet und strukturiert, praktisch in Form gebracht werden.
So ist z.B. aus Sicht dieser Epistemologie “Knappheit” (als der zentrale ökonomische Begriff) nicht “in der Welt” (als Eigenschaft irgendwelche Dinge), sondern liegt erst im Handeln des Menschen begründet, d.h. durch das Handeln ist überhaupt erst Knappheit. Analog dazu das Konzept der Kausalität, die auch nicht beobachtet werden kann bzw. auch nicht “in der Welt” ist, wie Hoppe Hume folgend schrieb und was hier auch schon diskutiert wurde.
Also es ist nicht einmal Tribut zu zollen, sondern es geht darum schöpferisch zu sein, d.h. alles aus den Tiefen der “Logical Structure of the Human Mind” zu schöpfen und auf die Welt zu projezieren, so redlich und kraftvoll, wie man es nur vermag.
Comment / 03-04-2010 / 01:10
Hmm, das erinnert mich daran, wieder einmal Barton Fink zu gucken.
http://www.youtube.com/watch?v=kKm-_VyNVoM
Wer braucht da noch Preise.
Pingback / 03-04-2010 / 01:12
[...] […] die unübersehbare Lust der scheinliberalen Ökonomisten am Kuschen ist erschrecke… [...]
Comment / 03-04-2010 / 08:29
Das Selbst-Flagellantentum via ef-Lektüre nimmt ja kein Ende….
…Herr Bökenkamp bringt “Natur”, “Naturgesetz”, “Markt”, “Marktgesetz” und “ökon. Gesetz” kunterbunt durcheinander (das Ganze erinnert mehr an Boonekamp) und kommt zu den üblichen Schluss der Naturgesetzler, wer gegen mich ist, ist wie jemand, der den Sonnenaufgang oder den Monduntergang bekämpfen will.
Die Fahrstühle, Batterien und Bergsteiger scheinen allerdings auch irgendwie auf diesen Konfusionstrip zu sein
Wenn Fahrstühle (vorherige) Naturgesetze tatsächlich tricky überlisten sollten, heißt das nur, dass das entsprechende Gesetz qua Überlistung soeben neu geschrieben wurde, was keine Blasphemie ist und schon gar keine “neue Natur” herbeifabriziert, sondern ganz im Sinne von Gevatter Popper ein Ausweis von Wissenschaftlichkeit. Ansonsten sind die Dinger voll im Einklang mit der NATUR und nicht irgendwie abgetrotzt, andernfalls würden sie sich nicht in Bewegung setzen.
Dass homo sapiens lange nachdenken und herumexperimentieren musste, bis er auf solche Ideen wie Batterien und Motoren kam, ist schlicht Intelligenzmangel – aber auch das ist halt ganz natürlich
, jedenfalls nicht darauf zurückzuführen, dass die Natur “eigentlich” keine Batterien will.
Comment / 03-04-2010 / 13:19
Hmm, ein Fahrstuhl bestätigt die Schwerkraft(svorstellung), so wie der menschliche Organismus, sein Aussehen, seine Struktur, überhaupt seine Existenz die Schwerkraft und viele andere Vorstellungen bestätigt.
Überlisten ist da ein eigenartiges Wort.
Man geht mit ihr um. Der Fahrstuhl ist, wenn man so will, nur ein Aspekt der Schwerkraft, eine Manifestation, ein Ausdruck der Schwerkraft in der Welt.
Und wenn nun die Politinskis einen gesetzlichen Mindestlohn erzwingen, dann bestätigen sie im Grunde den verbreiteten Trieb der Menschen, mit möglichst wenig Kosten etwas erreichen zu wollen.
Nur wird an diesem Trieb durch solche plumpen Eingriffe nichts Wesentliches geändert. Das meint doch wohl Bökenkamp. Dem Niedriglöhner wird nicht wie suggeriert einfach mehr bezahlt, denn man wird weiter nach Wegen suchen, die Arbeitskosten gering zu halten und versuchen die teurer gewordene Arbeit zu ersetzen, zu reduzieren, letztlich abzuschaffen. Will man das verhindern, ist die nächste, noch weiter reichende Intervention fällig. Man müsste die Schaffung von Arbeitsplätzen erzwingen und deren Erhalt. Am Ende die total gesteuerte, geplante, gerechte Arbeitsgesellschaft als Ziel, sofern man an die Möglichkeit einer solchen glaubt. Ich nicht. Und selbst wenn sie möglich wäre, mir wäre sie ein Gräuel.
Allein schon weil ich die Schaffung von Arbeit (statt deren Reduzierung) als primäres politisches Ziel einfach hochgradig affig finde.
Letztlich geht es wie immer eben um Werturteile. Ästhetische Positionierung. Und da gibt es viel Raum und Möglichkeit, um nicht zu “kuschen” … vor den anderen Wertvorstellungen, Moralen. Aber dazu muss man wohl immer wieder herausfinden, wo man überhaupt steht.
Comment / 03-04-2010 / 15:19
@ hanz
Nun, wenn Sie gegen Politinskis* und die Schaffung von Arbeit durch selbige sind (wie ich mit Ihnen), dann würde ich gerne von Ihnen wissen, wie sie sich ein für alle zumindest aus_kömmliches Leben inmitten der in aller Regel wenig kreativen, anspruchsorientierten und durch Markt und Staat auf Wachstum eingeschworenen, bzw. zwangsverpflichtete Massen im Non_Schlaraffenland vorstellen.
Was glauben Sie: Essen Sie dann noch in Ruhe Ihr Brot oder müssten sie nicht spätestens übermorgen nach Jesus rufen, der es angeblich wundersam vermehrt
?
*Apropos: Nie werde ich es der Kaste der Politinsksis verzeihen, dass sie dem ‘Gehe zurück auf Los!’ einzelner einsichtiger Ökonomen bis hin zur vollen Schwerkraft (eines Neustarts) haben folgen wollen; es war ‘last exit’ … vor dem nächsten.
Comment / 03-04-2010 / 17:36
Andreas, ich bitt’ Dich inständig: laß den Gerard Bökenkamp leben, er gehört neben Dirk Friedrich, Chris Vigelius und Ralph Janik zu dem kleinen Häuflein wirklich lesenswerter Autoren auf ef-online!
Richtig ekelerregend ist vielmehr, was sich dort auf den Kommentarspalten tummelt und gewisse Tiefschläge gegen Minderheiten, Randgruppen, “Lebensstilalternativler” (O-Ton HHH), die der Herausgeber zu verantworten hat, ganz zu schweigen von der ganzen Gärtner- und Klonovsky-Scheiße!
Comment / 03-04-2010 / 17:37
Warum heißt Kapitalismus Kapitalismus? Wegen des Übergewichts der Kapitalgüter, Produktionsanlagen, der gesamten Kapitalstruktur gegenüber manueller, menschlicher Arbeit.
D.h. aktuelle menschliche Arbeit ist nur im Extremfall der absolut hilfsmittellosen Handarbeit 100% an der sogenannten “Wertschöpfung” beteiligt. Bei einer kapitalistischen Produktionsweise haben aber “kristallisierte”, historische, in die Kapitalstruktur bereits investierte Arbeitsquanta (Marx) einen großen und wachsenden Anteil am Output.
Selbst im hilfsmittellosen Falle – wenn man unterstellt, dass es so etwas wie “Humankapital” gibt – kann man Kapitalstruktur bzw. sogenannte Roundaboutness (Böhm-Bawerk) erkennen.
Wenn z.B. zwei Menschen Pilze sammeln, dann kann der eine, der das schon 100 Mal getan hat und weiß, wo die Pilze stehen, bedeutend mehr sammeln als ein Neuling.
D.h. nicht die bloße Arbeitskraft, das bloße Bemühen ist für den Pilzoutput einzig entscheidend, sondern die vorab aufgebaute Kapitalstruktur (=Kenntnis der Pilzstandorte).
Kapital ersetzt Arbeit (auch schon beim Plzesammeln). Deshalb der (kurzschlüssige) Sturm auf die Maschinen in der Vergangenheit und Gegenwart.
Letztlich aber, dass der Anteil (nahezu) arbeitsloser Einkommen steigt, das ist doch eine nachvollziehbare, zu erwartende, fast unvermeidliche Entwicklung.
Comment / 03-04-2010 / 18:05
Ich kann dir nicht ganz folgen Andreas. Eine Batterie überlisted doch nicht die Naturgesetze. Es nutzt sie in einer kreativen art und weise, so wie unternehmer die Marktgesetze für sich nutzen. Der Punkt den der Autor hier macht ist absolut richtig. Niemand kann die Knappheit überwinden, indem er sie einfach ignoriert. Es sind die Unternehmer die, weil sie diese Marktgestze anerkennen, weniger knappheit erzeugen können. Genauso wie die Erfinder der Battery nicht versucht haben die Naturgesetze abzuschaffen, sondern aus respekt vor ihnen sie versucht haben zu verstehen und zu nutzen.
Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Die Batterieerfinder sind nicht die gegner des Marktes. Diese kämen eher Esoterikern gleich.
Comment / 03-04-2010 / 19:49
Sehe das so wie Nico Metten!
Comment / 03-04-2010 / 21:40
Knappheit ist das wichtigste Produkt der Wirtschaft. Ohne Knappheit keine Wirtschaft. Also wäre die Wirtschaft selbstmörderisch veranlagt, würde sie jede Knappheit stillen wollen.
Selbst im Schlaraffenland, wo die gebratenen Hühner in Unmassen in der Luft herumsegeln, würde ein kluger Kopf darauf kommen, dass er den Leuten nur einreden muss, fertig tranchierte Hühnerbeine mit einer Avocado-Knoblauch-Limetten-Joghurt-Sauce wären das, was man wollen sollte, um dann für diese erzeugte Neu-Knappheit seine Tauschgeschäfte abzuwickeln.
Also der edle Wirtschaftsritter mit dem güldenen Knappheitsbezwingungsschwert ist für mich eine Sage …
Comment / 03-04-2010 / 21:59
Es ist eine zugebenermassen etwas lockere Formulierung, wenn ich sage: den Naturgesetzten ein Schnippchen schlagen. Natürlich gelten die immer (soweit wir das bis heute wissen – und es auch eigentlich eine Begriffstautologie ist insofern, als wir nur die Gesetze, die immer gelten, als Naturgesetze bezeichnen). Aber mit dem Mass, in dem diese Gesetze uns behindern, können wir spielen.
So wie die bürgerliche Familie (Gott hab’ sie seelig …
im Innenverhältnis mit den Marktgesetzten spielte in dem Sinne, dass sie versucht, dieselben nicht anzuwenden – kein Kleinkind könnte unter reinen Tauschverhältnissen überleben + keine demente Oma. Religion hat denselben Ursprung + Effekt, der Staat ebenfalls.
Alles dies gilt allerdings nur im Innenverhältnis, exklusiv für Mitglieder. Nach aussen herrschen weiterhin die Natur+Marktgesetze – jede bürgerliche Familie musste nach aussen soviel goutierbaren gesellschaftlichen Output erarbeiten, dass er nach Umtausch zur Erhaltung der Familienschale ausreichte – sonst hätte sie ihren inneren Selbstanspruch sofort vergessen können.
Comment / 03-04-2010 / 23:42
Natürlich können wir mit diesen Gesetzen spielen. Aber ich glaube nicht, dass das von Bökenkamp bestritten wird. Denn um mit diesen Gesetzen spielen zu können muss man sie erst einmal anerkennen. Und genau das kritisiert er doch, dass uns dies abhanden gekommen ist. Eine fragestellung wie, “wieviel Markt können wir uns erlauben” ist einfach unsinn, weil sie davon ausgeht, dass Markt eine erfundene Sache ist.
Und Knappheit ist nicht das Produkt der Wirtschaft. Es ist die Vorraussetzung für das Wirtschaften, weil nur durch Knappheit Dinge einen Preis bekommen. Der Unternehmer erkennt, dass es Knappheit gibt und gibt seinen Produkten deswegen einen Preis. Dadurch trägt er, vielleicht unfreiwillig dazu bei, dass es weniger Knappheit gibt. Die fertig tranchierten Hühnerbeine mit einer Avocado-Knoblauch-Limetten-Joghurt-Sauce erzeugen ja nicht mehr Knappheit, sondern ein zusätzliches Angebot, also weniger Knappheit.
Der Sozialist hingegen glaubt, dass Knappheit ein Produkt der Kapitalisten ist, die dadurch entsteht, dass diese Dingen Preise geben. Und das ist eben unsinn.
Ob man dann die fertig tranchierten Hühnerbeine mit einer Avocado-Knoblauch-Limetten-Joghurt-Sauce wollen sollte ist eine andere Frage. Diese ist aber nicht politisch, sondern muss jeder für sich privat entscheiden.
Comment / 03-05-2010 / 00:47
“kein Kleinkind könnte unter reinen Tauschverhältnissen überleben”
Andreas, da betrachtest du “Tausch” aber für mich schon unerwartet reduziert. Was ich dir aber nicht abnehme, nach den Jahren Mises, Praxeologie und Stirner und überhaupt hier.
Tausch im praxeologischen Sinne ist weiter gefasst und braucht nicht in jedem Falle einen bewusst handelnden Tauschpartner.
Der sich um das Kind Sorgende tauscht einen Zustand (die Sorge ums unversorgte Kind) mit einem ihm in der Regel genehmeren (ein sorgenfreierer Zustand durch ein versorgtes Kind). Oder der einzige Stirner, der die Sorgenfalten von der Stirn seines Liebchen Marie Dähnhardt wegküsst – *letztlich* und ehrlicherweise eingestanden seinetwillen und nicht ihretwillen, der kann ja nun nicht vergessen sein, nicht hier.
Comment / 03-05-2010 / 07:22
@ hanz
Gerade weil die beschriebene eine “nachvollziehbare, zu erwartende, fast unvermeidliche Entwicklung” ist, wird es in Zukunft vermehrt um Verteilungskämpfe um das zunehmend (nahezu) arbeitslos Erwirtschaftete der Wenigen gegenüber den Vielen gehen; politinsköser (wessen sonst?) Sozial_staat gehört ebenso zu dieser Entwicklung, und was in der Theorie verkehrt sein mag, wird unter solchen Verhältnissen in der Praxis unvermeidlich. Warum also immer wieder in Worten dagegen revoltieren, anstatt ideell zu re_organisieren, was (wie des einzigen Stirners eigen_nütziges Stirnfaltenwegküssen) mechanistisch zu empathisieren ist? Iss doch im Angesicht zukünftiger Verteilungskämpfe ebenso affig (unverünftig) wie es affig wäre zu glauben, dass tranchierte Limettenhuhnbeine als Manna vom Himmel fallen würden, während der Pilzsammler seine Standortkenntnisse börsen_kapitalisiert …
Aber danke für die Lektion
…
Comment / 03-05-2010 / 13:36
@elsa
Naja. Ich glaube, das haben wir hier nun schon zu oft diskutiert.
Und ein letztes Mal, weil es mir wichtig ist:
Es gibt keine theorielose Praxis. Aussagen, dass etwas “unvermeidlich” wäre, sind – rein theoretisch.
Theorielos wäre nur wortloses, gedankenloses Verhalten, der bloße, unbewusste Reflex und keine Praxis. Und wer will -als Mensch- nur ein gedanklenloser Reflexwurm sein. Ich nicht. Das wäre ja so als wenn der Tiger seine Fangzähne, seine Klauen, sein Raubtierkleid freiwillig ablegen würde, um sich dann zahnlos durch’s lichtlose Erdreich zu wühlen und Humus zu mümmeln.
und für die demente Oma hab ich auch noch was wiedergefunden:
“Wir wollen schon miteinander fertig werden, wenn Wir nur erst dahin übereingekommen sind, dass keiner mehr dem anderen etwas zu – schenken braucht. Dann gehen Wir wohl gar so weit, dass Wir selbst den Krüppeln und Kranken und Alten einen angemessenen Preis dafür bezahlen, dass sie nicht aus Hunger und Not von Uns scheiden; denn wollen Wir, dass sie leben, so geziemt sich’s auch, dass Wir die Erfüllung unseres Willens – erkaufen.”
!
Comment / 03-06-2010 / 14:20
stimmt, @ hanz, es gibt keine ‘theorielose praxis’ – wer wollte auch so einen quatsch behaupten? ich, elsa, doch nicht !? aber es gibt die möglichkeit, theorien auf ihre praktische anwendbarkeit hin zu unter_suchen, eine ideelle grabung, die ich weiter beharrlich vorantreibe; schlimm wäre es mir allerdings, dabei das bild eines nacktmulls abzugeben
… ???
übrigens: stirners oma tut mir doch irgendwie leid; die meine habe ich in eine senioren_residenz eingekauft; manchmal besuche ich sie; heute z. b. hab ich ihr den stirner (von oben) vorgelesen. ich weiss gar nicht, warum die sich so erschrocken hat; wir schenken uns doch sonst nichts mehr
…
Comment / 03-06-2010 / 22:25
Natürlich wird den Naturgesetzen “ein Schnippchen geschlagen”. Dies unter Nutzung anderer Naturgesetze. Die Überwindung der Schwerkraft, um fliegen zu können, beispielsweise mittels Ballistik und Aerodynamik. Dies setzt also die Naturgesetze nicht außer Kraft – und darauf weist Bökenkamp zu recht hin.
Ebenso handelt der Wirtschaftende klug, der die Knappheit eines anderen beendet: Was vorher unmöglich erschien, wird – durch Handeln – möglich. Zum Kapitalstock gehört da in der Tat schon das Wissen um die Naturgesetze, mithin auch um das der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten (siehe auch hanz oben).
Die Fragen, die sich mir hier vielmehr stellen: Soll man die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten (für andere Zwecke, zum Beispiel politische) nutzen? Das ist zum Beispiel der Neoliberalismus eines Milton Friedman.
Oder gilt es die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten zu überwinden? Dies scheint mir Andreas’ Perspektive zu sein. Jedenfalls gibt es diese ökonomischen Gesetzmäßigkeiten: Man kann sie nicht ignorieren, wie Nico Metten weiter oben richtig schreibt.
Meine eigene Position ist die, daß ich die Marktgesetze einfach mag, da sie so wunderbar mit Freiheit und Frieden korrelieren. Man möge diese also einfach lassen.
Comment / 03-07-2010 / 12:58
>>>aber es gibt die möglichkeit, theorien auf ihre praktische anwendbarkeit hin zu unter_suchen
Hat sich denn jemand dagegen ausgesprochen praktisch zu sein? Also du baust diesen Praxis-Strohmann immer auf, den ich dir aber dankend wieder zurückgebe
.
Was man unter freiwilligen Tausch bzw. zivilisierten Umgang versteht, ist jedenfalls milliardenfacher Alltag. Halt mal mehr mal weniger verunreinigt mit Gewalt. Aber man wirft ja nun nicht seinen Staubsauger oder den Wischmob auf den Müll, nur weil die Wohnung immer wieder dreckig wird.
Aber auch das hatten wir ja nun alles schon mehrmals. Selbst Moses’ Steintafeln wurden schon hereingewuchtet.
Aber wenn man nun meint eine Theorie zu überprüfen, dann ist das aber wiederum nichts weiter als – Theorie.
Mit welcher Methode überprüft man denn? Wie begegründet man die Methodenwahl? Alles Theorie. Wissenschaftstheorie. Epistemologie.
Eine Theorie behauptet und erklärt einen Kausalzusammenhang.
Und sie erklärt dann diesen Zusammenhang vorallem indem sie ihm einen Namen gibt (Der Appel fällt zu Boden -> weil “Schwerkraft” auf ihn wirkt).
Und dann werden Vorhersagen gemacht, experimentiert, d.h. etwas in eine Anordnung gebracht und dann eine bestimmte Bewegung in der Anordnung vorausgesagt … Aber die Verbindung “theoretische Vorhersage” – “beobachtetes Verhalten” ist immer noch ein theoretischer, im Grunde nur Korrelation.
Das beginnt schon damit, dass das, was man von der Welt sieht, davon abhängt, womit/wie man die Welt beobachtet.
Und strenggenommen sieht man ja nicht die Welt selbst, man sieht Daten, die nicht identisch sind mit der äußeren Umwelt.
Und noch problematischer sieht es bei der Sozialforschung aus. Man kann z.b. nicht einfach den “Sozialstaat” abschalten, d.h. seine weitreichenden Wirkungen sauber ausblenden und dann schauen, wie die Menschen reagieren und dann vergleichend ihn wieder aktivieren und wieder “messen”.
Aber diese Möglichkeit wird im Ressentiment gerne vorgetäuscht: “Ohne Sozialstaat würden die Armen, Kranken, Alten verhungern.” “Ohne Sozialstaat wären nur die Reichen gebildet.” “Unter reinen Tauschverhältnissen könnte kein Kleinkind überleben ….”
Gerade im sozialen/soziologischen Bereich bleibt imo nur die Besinnung auf die introspektive Methode, die Innenbeschau, der Blick nach innen, auf sich selbst, d.h. die Besinnung auf Denkbarkeiten, Möglichkeiten. Oder auf dieses eine Wort, was hier neulich rumschwirrte: „Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes (zu Erfahrendes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen.“ (Niklas Luhmann: Soziale Systeme, 1984, S. 152, Luhmann 1993 (4)).
Comment / 03-07-2010 / 19:20
okay, hanz, hast ja im grunde recht, und doch kann ich mir dein denken nicht wirklich kompatibel machen; geschlecht: weiblich, you know.
worüber reden wir? du über die welt als analyse_material, als optionalen bau_satz, ich, wie ich sie praktisch bewegen könnte, mir und den meinen behaglich zu werden. und wenn du schreibst, dass das, was man von der welt sieht, davon abhängt, womit/wie man die welt beobachtet, dann zeigt sich in der unterschiedlichen herangehensweise die differenz im denken + handeln von adam + eva, die sich nicht wirklich verstehen, weil sie von haus aus verschiedene ziele haben und im modus, sie umzusetzen, geschlechtsspezifisch vorgehen. dass sich die wege mal irgendwo im unendlichen treffen (gern auch im endlichen) ist eine erwartung, die ich hege
…
anyway: ‘it is a man’s world’, soviel ist klar. ich kann nur hoffen, dass die erwartete annäherung nicht über die muckis, sondern im kopf abläuft
…
http://www.youtube.com/watch?v=KZAT_Y2hAQs
Comment / 03-08-2010 / 10:36
um mein ot_gefasel von oben zu präzisieren: der pc_betonte feminismus, dem männer, wie ich vermute, rein technokratisch anhängen, ‘vergisst’ pc_gern, dass mann + frau (gemeinsam in der welt seiend, sie betrachtend, sich in ihr räkelnd oder sie als un_ort verdmmend) anlagenbedingt unterschiedliche schwerpunkte setzen. da kann es weder beleidigung noch ressentiment oder rassismus bedeuten, wenn man, um den aktuellen stand intellektuellen vermögens zu ermitteln, von mir aus auch an schopenhauers krassen attitüden ‘über die weiber’ mass nimmt; ich jedenfalls verabscheue jede scheu_klappe, genauso aber auch dieses nach_sichtige getätschel dafür, nicht im selben umfang wie männer von den praktischen dingen des alltags abstrahieren zu können. na und? theorie ist nicht ‘besser’ als praxis, mann nicht ‘besser’ als frau; dass aber deren sensorisches vermögen, ihr eq, so ganz und gar unter die räder der ‘man’s world’ gerät, von männern genutzt, aber kaum anerkannt, also unter_bewertet wird, das juckt mich doch irgendwie …
das war’s aber jetzt, denn auch das hatten wir schon … ich erinnere mich an stefan blankertz’ vorsichtige frage, ob man wissenschaftlichen erkenntnissen folgen dürfe, wonach frauen weniger intelligent seien als männer. von mir aus ohne weiteres. vielleicht sind sie dafür ja ‘lebens_klüger’, was immer das heissen mag, nur: voll respektabel ist das imho auch wieder nicht …
Comment / 03-08-2010 / 13:29
Na solange Frauen sowas schreiben:
„Als ein menschliches Wesen haben Sie keine Wahl bezüglich der Tatsache, dass Sie eine Philosophie brauchen. Ihre einzige Wahl ist, ob Sie Ihre Philosophie durch einen bewussten, rationalen, disziplinierten Gedankenprozess und gewissenhaft-logische Überlegung definieren – oder ob Sie Ihr Unterbewusstsein einen Schrotthaufen von ungerechtfertigten Schlussfolgerungen, falschen Verallgemeinerungen, undefinierten Widersprüchen, unverdauten Slogans, nicht identifizierten Wünschen, Zweifeln und Ängsten ansammeln lassen, die per Zufall zusammengeworfen wurden … ”
sehe ich keinen Anlass, an der Abstraktionsfähigkeit oder überhaupt am Interesse von Frauen am Denken zu zweifeln. Da gibt es einfach zuviele Gegenbeispiele.
Sicherlich, am individuellen Fall gibt’s hingegen viel zu zweifeln oder auch viel zu hoffen oder auch nicht. Aber da ist auch Zweifeln oder Hoffen bei Schniedelwutzträgern angesagt.
Und zur “pc”:, so wie die pc ein (zu recht kritisierter Reflex) ist, so ist die jetzt in Mode gekommene Anti-PC (dieses Vermeidungsverhalten mancher, nur nicht in den Verdacht zu geraten, “pc” zu sein) nur gespiegelter Kokolores.
Und sind deine Ansichten über Mann und Frau nun eigentlich “praktisch” oder doch “nur” theoretisch?
Wie unterscheidest du das denn nun? Wann beginnt man “praktisch” zu sein?
Also wenn etwas “Praxis” ist, dann doch die Bewegung vom allgemeinen Prinzip, von der allgemeinen Aussage zum Besonderen in der konkreten Umsetzung. Das Allzugrobe wieder passend machen für den individuellen Fall, der ja nie wirklich in die großen Schubladen passt.
Comment / 03-08-2010 / 15:07
wer ist das diese ehrenwerte ruf_saniererin, die das aus der verschwindenden minderheit weiblicher denkerinnen heraus schreibt (finde nix)?
bei meinen ansichten über mann + frau handelt es sich um in der (beschriebenen) bewegung gewonnene ansichten, die sich von der reinen theorie darin unterscheiden, dass sie in der praxis des täglichen umgangs gewonnen wurden. alles andere wäre vorstellung, nicht wahr?
so sind mir u. v. a. nicht wenige schopenhauersche ‘weiber’ als verkäuferinnen bekannt, die haarscharf in dessen klischees passen – und doch aktuell atmen. ich bedaure jeden schniedelwutzträger, der sich auf sie, bzw. nur auf die interessen seines schniedelwutzes einlässt. nur so als beispiel … für frauen- und männerverachtung zugleich, um das kraut richtig fett zu machen. na ja, -kritik hätte es auch getan
ps: sollten wir uns nicht bei andreas entschuldigen, seinen thread über, sagen wir mal: ‘freiheit durch ökonomie’ (*g*) derart abschweifend missbraucht zu haben? du hast angefangen – mit einer demo deiner stirnernden, egomanisch hoch_fliegenden bodenhaftungsresistenz
pps: ‘interesse am denken’ setzt nicht notwendig intelligenz voraus
…
Comment / 03-09-2010 / 00:28
>>> in der (beschriebenen) bewegung gewonnene ansichten, die sich von der reinen theorie darin unterscheiden, dass sie in der praxis des täglichen umgangs gewonnen wurden. alles andere wäre vorstellung, nicht wahr?
Passenderweise geht es genau darum beim “Methodenstreit” der Ökonomik (und damit wieder ontopic), also ob erst die Theorie kommt und dann die Erfahrung oder umgedreht. Ein Weltanschauungsstreit.
Idealismus vs. Realismus bzw. Apriorismus vs. Empirismus.
Die idealistischen Schiene im Kern:
“Schauen, müssen wir mit Schlüssen, der Erfindung, vorher.” (Hölderlin)
Weil:
“Anschauungen ohne Begriffe sind blind.” (Kant)
Und um mit Ayn Rand (von ihr stammte das andere Zitat) zu sprechen, ist es die Frage, wie sehr man sich anstrengt, mit der “Erfindung vorher”.
Comment / 03-09-2010 / 07:31
Heureka – was unerkannt herumlag!
(dank an @ hanz.)
Comment / 03-10-2010 / 00:45
Oder auch das:
“Nichts ist verkehrter als die Auffassung des Empirismus, der meint, die Aussagen der Theorie wären durch Induktion aus theoriefreier Beobachtung der Tatsachen gewonnen. Wir können an die Tatsachen gar nicht anders heran als mit dem Werkzeug der Theorie. Auch der naive Mensch, der vom wissenschaftlichen Denken himmelweit entfernt ist, der glaubt, nichts als »Praktiker« zu sein und den »Theoretiker« gründlich verachtet, hat eine bestimmte theoretische Auffassung von dem, was er tut. Ohne diese »Theorie« könnte er über sein Handeln überhaupt nicht sprechen, könnte er darüber nicht nachdenken, könnte er auch nicht handeln. Das wissenschaftliche Denken unterscheidet sich von dem täglichen Denken jedermanns nur dadurch, daß es weiterzugehen sucht und daß es nur an einem Punkte haltmachen will, über den hinaus man überhaupt nicht mehr zu denken vermag. Die wissenschaftlichen Theorien unterscheiden sich von denen jedermanns nur dadurch, daß sie danach streben, auf einer Grundlage zu bauen, die das Denken nicht zu erschüttern vermag. Wenn man sich im Leben im allgemeinen damit begnügt, überkommene Auffassungen ohne Bedenken beizubehalten, Vorurteile und Mißverständnisse aller Art mitzuschleppen und Trugschlüsse und Irrtümer gelten zu lassen, wo es nicht leicht fällt, sie zu meiden, streben die wissenschaftlichen Theorien nach Einheit und Geschlossenheit, nach Klarheit, Schärfe, apodiktischer Evidenz und Widerspruchslosigkeit.”
von Mises, Grundprobleme der Nationalökonomie (1933)
Comment / 03-10-2010 / 10:59
so wird’s ultra_klar, @ hanz!
hoffentlich kam von mir nichts ‘rüber, als ob ich den ‘theoretiker gründlich verachten’ würde (wie v. mises schreibt); dann wär der diskurs mehr als ‘dumm gelaufen’. denn in wahrheit treibt mich beim ‘kratzen’* an ihm doch nichts als die reine bewunderung
…
*na gut, vielleicht be_neide ich ihn als ‘naive’ um seinen wissenschaftlich gewonnenen durch_blick, schon möglich. das wäre dann sowas wie ein bildungs_neid. ein penis_neid, um auch das noch zu bedenken, isses bei aller kritik am weibe aber nicht
…
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