Der wahre Weg geht über ein Seil, das nicht in der Höhe gespannt ist, sondern knapp über dem Boden. Es scheint mehr bestimmt stolpern zu machen, als begangen zu werden. (Franz Kafka)
so unterschiedlich kann Wahrnehmung sein. Die Bildauswahl der Ansichten Frankfurts halte ich für ziemlich manipulativ. Das Bildmaterial scheint eh aus den frühen 90er Jahre zu stammen. Aber selbst damals war Frankfurt nicht annäherungsweise so trist, wie es hier zu Untermalung der noch tristeren Aussagen von Adorno dargestellt wird.
Es gehört schon viel geschickte Kameraführung dazu eine, in der Ausdehnung kleine, Stadt wie Frankfurt als kalte Großstadt erscheinen zu lassen.
Das Hochhaus mit dem Fahrstuhl ist das Gebäude mit den Sozialwissenschaften, in dem sich auch die Pädagogen befinden. Das Teil ist zwar wirklich potthäßlich und kalt, aber gerade deshalb eine Ausnahme unter den frankfurter Hochhäusern.
Ich habe einmal einen Bekannten, der an der Uni gelehrt hat, dort besucht und war schockiert über den Grad der Verwahrlosung, der in sämtlichen Gebäudeteilen vorherrscht. Das ist eine staatliche Bildungseinrichtung und es sind die Studenten und Lehrenden, die diese Verwahrlosung nicht nur zulassen, sondern sich daran beteiligen.
In so einem Gebäude hätte ich auch keine Lust zu arbeiten. Aber bereits ein Blick in die Umgebung zeigt, daß diese Häßlichkeit in Frankfurt die Ausnahme ist.
Die “Gesellschaft” ist nicht so, wie sie auf den Bildern, offensichtlich zur gefühlsmäßigen Unterfütterung der Thesen Adornos dargestellt wird. Die Leute auf den Bildern dürften einfach Studenten sein, die in Anbetracht der Tristesse des Gebäudes, in dem sie sich befinden, jedes Lachen vergangen ist.
Den Text selbst finde ich auch etwas fragwürdig und depressiv. Auschwitz als Ergebnis der Kälte der menschlichen Natur zu erklären halte ich für vollkommen daneben. Die Kälte liegt nicht in der menschlichen Natur, sondern sie wurde durch Verhinderung und Abbau von Bindungen hergestellt.
Ich weiß nicht, ob das jetzt Dialektik ist, was der Herr Adorno da gesagt hat, aber es ist monokausal und simplizistisch. Insofern deckt es sich mit der begrenzten Sichweise der Bildauswahl.
Nein, Adorno argumentiert vollkommen untypisch undialektisch – das finde ich an dem Text gerade so witzig. Ich schreib’ den Text am Wochenende ‘mal ab und saaaach’ dann noch was (z.B.: Kälte ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für ‘Auschwitz’ – von wegen: monokausal). Hab’ jeZZe leider keine Zeit mehr …
P.S. Ich habe mein Studium in verschiedensten Bauten absolviert: die Pädagogen hatten das verkommenste, die Mathematiker das cleanste, die Philosophen das heimeligste und die Germanisten von allem etwas – hat sich aber nicht auf die Bedeutung dessen, was ich an diesen verschiedenen Orten gelernt habe, prägend ausgewirkt: war halt Deko. Wie im Film …
Nice day!
hanz
Comment / 11-16-2007 / 14:28
Man kann vielleicht nur das um sich herum erkennen, was in einem selbst ist.
Hier noch etwas zum Insichgehen&Erwärmen (alles etwas länger, aber das Durchhalten lohnt sich vielleicht für den einen oder anderen):
Was für ein Unfug. Und das war wirklich Adorno? Wenn ja, dann sicher in einem schwachen Moment.
Maik
Comment / 11-18-2007 / 20:01
Also, mein lieber Theodor Adorno selig, da kann ick nur sagen:
How selfish soever man may be supposed, there are evidently some principles in his nature, which interest him in the fortune of others, and render their happiness necessary to him, though he derives nothing from it except the pleasure of seeing it……..
Naja, Zugegeben, is geklaut, vom Kapitalistenpapst A. Smith, welcher sich bekanntlich primär mit Empathieforschung beschäftigt hat und danach und damit verknüpft mit Ökonomie, was heutige Schmalspurökonomen gerne ausblenden.
Noch watt geklautes: Man appeared on the scene of earthly events as a social being. The isolated asocial man is a fictitious construction (Mises, Human Action).
Also lieber Gevatter Adorno:
Das Gejammere über “monadenhafte Kokurrenten” die in Folge dieses Zustandes, respektive angeblichen Mißstandes, “Kälte” produzieren und “Auschwitz zulassen” kann man angesichts der Verhältnisse bei Adolf wohl nur als Witz bezeichnen. Dessen Du-bist-nichts,-dein-Volk-ist-alles Leitspruch klingt irgendwie so gar nicht nach Monadenkultur mit Kokurrenzmonstern. Mit dem Indifferenz-Klagelied biste wohl auch irgendwie bei der falschen Adresse: Wann und wo wurde denn vom Untertan mehr “Parteilichkeit” gefordert, als in Adolfs Auschwitz-Staat? Die vermisste “Wärme” war durchaus reichlich angesagt, der Nannyismus der Obrigkeit sorgte für allgemeine Behaglichkeit im Wohlfahrtsstaat, den man ja auch heute kennt und von dem die angeblichen “Konkurrenten” nich genug kriegen können.
Womöglich is aber grade jenes vermeintliche Ungeheuer “monadenhafter Konkurrent” der abhanden gekommene Empathieträger, der Untertan der nebulös angedeuteten “richtigen” Gesellschaft indessen nicht, weil vom Nannyismus verwöhnt und abhängig, von daher immun gegenüber allen Schweinereien der Obrigkeit.
Übrigens, lieber Großphilosoph und posthum-blogger Theodor A, Du redest von Liebe, an der es mangele (trotz aller Predigten), meinst aber Empathie. Unter uns: Dat is nich dasselbe. Man muss nicht die Juden lieben, um nicht damit einverstanden zu sein, dass sie millionenfach umgelegt werden.
Naja, De mortuis nihil nise bene: Klavier spielen konnteste ja ganz gut.
Ich bin total verschnupft + kann nicht denken. Aber den Text, aus dem das Filmchen geschnitzt wurde, möchte ich hier verlinken: Erziehung nach Auschwitz.
Klärt vielleicht einige der angesprochenen Fragen und Klagen …
Demnächst wieder fitter und selbstdenkender …
T. Albert
Comment / 11-19-2007 / 00:17
wusstich gar nicht, dass der Völkermord eine Tat der Wärme und der Liebe war. Wichtig ist, dass der Adorno unrecht hat. Hatte er doch immer, oder? Na, ich bleib lieber in meinem Heimatland, und komme nicht zurück.
blaulicht
Comment / 04-19-2009 / 08:01
@T. Albert
Gut erkannt. Hier ging es bisher nicht wirklich um Diskussion, sondern ums Niedermachen. Dass das Destruktive gemeinsame Kraft wird, bestimmt moderne deutsche Kultur und hat schon Auschwitz mitermöglicht. In welchen Ländern das besser läuft, ist eine andere Frage. Wo kommen Sie denn her?
Frankfurt ist eine Stadt der Tristesse, genauso wie die meisten deutschen Großstädte. Das liegt an der Art des funktionalistischen Denkens und, mutig es von Adorno zu sagen, an der eigenen Gemütsverfassung, die in die Architektur einfließt.
Es mag ja sein, dass im privaten Umfeld Sympathie vorherrschen mag, aber es geht um das Verhältnis zu den Fremden, den Anderen. Und da herrscht Gleichgültigkeit vor.
Comment / 11-16-2007 / 08:03
Hallo Andreas,
so unterschiedlich kann Wahrnehmung sein. Die Bildauswahl der Ansichten Frankfurts halte ich für ziemlich manipulativ. Das Bildmaterial scheint eh aus den frühen 90er Jahre zu stammen. Aber selbst damals war Frankfurt nicht annäherungsweise so trist, wie es hier zu Untermalung der noch tristeren Aussagen von Adorno dargestellt wird.
Es gehört schon viel geschickte Kameraführung dazu eine, in der Ausdehnung kleine, Stadt wie Frankfurt als kalte Großstadt erscheinen zu lassen.
Das Hochhaus mit dem Fahrstuhl ist das Gebäude mit den Sozialwissenschaften, in dem sich auch die Pädagogen befinden. Das Teil ist zwar wirklich potthäßlich und kalt, aber gerade deshalb eine Ausnahme unter den frankfurter Hochhäusern.
Ich habe einmal einen Bekannten, der an der Uni gelehrt hat, dort besucht und war schockiert über den Grad der Verwahrlosung, der in sämtlichen Gebäudeteilen vorherrscht. Das ist eine staatliche Bildungseinrichtung und es sind die Studenten und Lehrenden, die diese Verwahrlosung nicht nur zulassen, sondern sich daran beteiligen.
In so einem Gebäude hätte ich auch keine Lust zu arbeiten. Aber bereits ein Blick in die Umgebung zeigt, daß diese Häßlichkeit in Frankfurt die Ausnahme ist.
Die “Gesellschaft” ist nicht so, wie sie auf den Bildern, offensichtlich zur gefühlsmäßigen Unterfütterung der Thesen Adornos dargestellt wird. Die Leute auf den Bildern dürften einfach Studenten sein, die in Anbetracht der Tristesse des Gebäudes, in dem sie sich befinden, jedes Lachen vergangen ist.
Den Text selbst finde ich auch etwas fragwürdig und depressiv. Auschwitz als Ergebnis der Kälte der menschlichen Natur zu erklären halte ich für vollkommen daneben. Die Kälte liegt nicht in der menschlichen Natur, sondern sie wurde durch Verhinderung und Abbau von Bindungen hergestellt.
Ich weiß nicht, ob das jetzt Dialektik ist, was der Herr Adorno da gesagt hat, aber es ist monokausal und simplizistisch. Insofern deckt es sich mit der begrenzten Sichweise der Bildauswahl.
Fiel mir jetzt gerade so spontan dazu ein.
Viele Grüße
Michael
Comment / 11-16-2007 / 08:34
Moin.
Nein, Adorno argumentiert vollkommen untypisch undialektisch – das finde ich an dem Text gerade so witzig. Ich schreib’ den Text am Wochenende ‘mal ab und saaaach’ dann noch was (z.B.: Kälte ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für ‘Auschwitz’ – von wegen: monokausal). Hab’ jeZZe leider keine Zeit mehr …
P.S. Ich habe mein Studium in verschiedensten Bauten absolviert: die Pädagogen hatten das verkommenste, die Mathematiker das cleanste, die Philosophen das heimeligste und die Germanisten von allem etwas – hat sich aber nicht auf die Bedeutung dessen, was ich an diesen verschiedenen Orten gelernt habe, prägend ausgewirkt: war halt Deko. Wie im Film …
Nice day!
Comment / 11-16-2007 / 14:28
Man kann vielleicht nur das um sich herum erkennen, was in einem selbst ist.
Hier noch etwas zum Insichgehen&Erwärmen (alles etwas länger, aber das Durchhalten lohnt sich vielleicht für den einen oder anderen):
http://www.youtube.com/watch?v=pmzPH2B9P3k
http://www.youtube.com/watch?v=VFmu7BYbthY
http://www.youtube.com/watch?v=JS8EyPTotqs
Pingback / 11-16-2007 / 16:34
[...] Negatives Poesiealbum Auch manche Libertäre sind anfällig für Adornokitsch. [...]
Comment / 11-17-2007 / 13:57
Was für ein Unfug. Und das war wirklich Adorno? Wenn ja, dann sicher in einem schwachen Moment.
Comment / 11-18-2007 / 20:01
Also, mein lieber Theodor Adorno selig, da kann ick nur sagen:
How selfish soever man may be supposed, there are evidently some principles in his nature, which interest him in the fortune of others, and render their happiness necessary to him, though he derives nothing from it except the pleasure of seeing it……..
Naja, Zugegeben, is geklaut, vom Kapitalistenpapst A. Smith, welcher sich bekanntlich primär mit Empathieforschung beschäftigt hat und danach und damit verknüpft mit Ökonomie, was heutige Schmalspurökonomen gerne ausblenden.
Noch watt geklautes: Man appeared on the scene of earthly events as a social being. The isolated asocial man is a fictitious construction (Mises, Human Action).
Also lieber Gevatter Adorno:
Das Gejammere über “monadenhafte Kokurrenten” die in Folge dieses Zustandes, respektive angeblichen Mißstandes, “Kälte” produzieren und “Auschwitz zulassen” kann man angesichts der Verhältnisse bei Adolf wohl nur als Witz bezeichnen. Dessen Du-bist-nichts,-dein-Volk-ist-alles Leitspruch klingt irgendwie so gar nicht nach Monadenkultur mit Kokurrenzmonstern. Mit dem Indifferenz-Klagelied biste wohl auch irgendwie bei der falschen Adresse: Wann und wo wurde denn vom Untertan mehr “Parteilichkeit” gefordert, als in Adolfs Auschwitz-Staat? Die vermisste “Wärme” war durchaus reichlich angesagt, der Nannyismus der Obrigkeit sorgte für allgemeine Behaglichkeit im Wohlfahrtsstaat, den man ja auch heute kennt und von dem die angeblichen “Konkurrenten” nich genug kriegen können.
Womöglich is aber grade jenes vermeintliche Ungeheuer “monadenhafter Konkurrent” der abhanden gekommene Empathieträger, der Untertan der nebulös angedeuteten “richtigen” Gesellschaft indessen nicht, weil vom Nannyismus verwöhnt und abhängig, von daher immun gegenüber allen Schweinereien der Obrigkeit.
Übrigens, lieber Großphilosoph und posthum-blogger Theodor A, Du redest von Liebe, an der es mangele (trotz aller Predigten), meinst aber Empathie. Unter uns: Dat is nich dasselbe. Man muss nicht die Juden lieben, um nicht damit einverstanden zu sein, dass sie millionenfach umgelegt werden.
Naja, De mortuis nihil nise bene: Klavier spielen konnteste ja ganz gut.
Maik
Comment / 11-18-2007 / 21:39
Ich bin total verschnupft + kann nicht denken. Aber den Text, aus dem das Filmchen geschnitzt wurde, möchte ich hier verlinken: Erziehung nach Auschwitz.
Klärt vielleicht einige der angesprochenen Fragen und Klagen …
Demnächst wieder fitter und selbstdenkender …
Comment / 11-19-2007 / 00:17
wusstich gar nicht, dass der Völkermord eine Tat der Wärme und der Liebe war. Wichtig ist, dass der Adorno unrecht hat. Hatte er doch immer, oder? Na, ich bleib lieber in meinem Heimatland, und komme nicht zurück.
Comment / 04-19-2009 / 08:01
@T. Albert
Gut erkannt. Hier ging es bisher nicht wirklich um Diskussion, sondern ums Niedermachen. Dass das Destruktive gemeinsame Kraft wird, bestimmt moderne deutsche Kultur und hat schon Auschwitz mitermöglicht. In welchen Ländern das besser läuft, ist eine andere Frage. Wo kommen Sie denn her?
Frankfurt ist eine Stadt der Tristesse, genauso wie die meisten deutschen Großstädte. Das liegt an der Art des funktionalistischen Denkens und, mutig es von Adorno zu sagen, an der eigenen Gemütsverfassung, die in die Architektur einfließt.
Es mag ja sein, dass im privaten Umfeld Sympathie vorherrschen mag, aber es geht um das Verhältnis zu den Fremden, den Anderen. Und da herrscht Gleichgültigkeit vor.
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